45 Years

Großbritannien 2015

Während der Vorbereitungen für ihren 45. Hochzeitstag werden Kate (Charlotte Rampling) und ihr Ehemann Geoff (Tom Courtenay) von der Vergangenheit eingeholt. Vor 50 Jahren hatte Geoffs damalige Freundin Katya einen tödlichen Unfall in den Schweizer Alpen – er erfährt aus einer Nachricht, die der Postbote Chris (Sam Alexander) überbringt, dass Katyas Leichnam nun gefunden wurde, konserviert in Eis und Zeit. Kate und Geoff sind beide schockiert, können ihre Unsicherheit einander aber nicht mitteilen. Geoff zieht sich immer mehr in eine ferne Welt der Erinnerungen zurück und Kate versucht, ihre Eifersucht und ihre Ängste mit Pragmatismus zu überspielen. Sie konzentriert sich aufs Organisieren der bevorstehenden Feier, sucht die Musik und das Menü aus. Obwohl der Schein nach außen gewahrt wird, fühlt sich Kate immer mehr wie eine Fremde in ihrem eigenen Leben…

Regie
Andrew Haigh
Besetzung
Charlotte Rampling, Tom Courtenay
Länge
95 min

Seit 45 Jahren sind Kate und Geoff ein Ehepaar. So idyllisch ihr Häuschen im Grünen, so harmonisch ist die Beziehung der beiden, die von großer Zärtlichkeit und blindem Vertrauen geprägt ist. Mitten in die Vorbereitungen der Hochzeitsfeier platzt ein Brief aus der Schweiz. In einem Gletscher wurde die Leiche einer Frau gefunden, mit der sich Geoff vor 50 Jahren auf eine Bergtour begeben hatte. Die Nachricht wühlt den Rentner sichtlich auf – was dessen Gattin natürlich nicht lange verborgen bleibt. Was hat es mit dieser Frau auf sich? Warum hat Kate nie etwas von ihr erfahren? Geoff hatte durchaus gute Gründe. Doch je zögerlicher ihr Mann von seiner Vergangenheit erzählt, desto mehr wachsen bei der Ehefrau Zweifel und Misstrauen. War die mysteriöse Vorgängerin die ganz große Liebe und sie selbst nur die zweite Wahl? War das vermeintliche Glück und die Liebe nur eine Illusion? Ein überraschender Fund auf dem Dachboden lässt das Weltbild von Kate gehörig ins Wanken geraten – unterdessen läuft der Countdown für die große Jubiläumsfeier unerbittlich. Regisseur Andrew Haigh justiert zunächst sehr präzise den beschaulichen Alltag dieses sympathischen Ehepaares. Fast unmerklich zieht er die psychologischen Schrauben dann immer mehr an. Anfängliche Neugier wandelt sich bei der pensionierten Lehrerin Kate zu eifersüchtigem Misstrauen. Der gutmütige Geoff reagiert verlegen, zum einen scheint ihm diese alte Sache peinlich, zugleich wirkt er immer faszinierter von ihr. Haigh entwickelt sein behutsames Seelendrama mit souverän subtiler Dramaturgie sowie enormer emotionaler Präzision. Wie bei einer Zwiebel legt er die Gemütslagen seiner Akteure immer mehr frei – und findet dabei sogar noch Raum für britischen Humor. Mit Rampling und Courtenay hat er ein ideales Traumpaar für diese ambitionierte Konzeption. Zwischen den beiden stimmt nicht nur die Chemie perfekt, sie spielen die geballte Erfahrung ihres langen Schauspiellebens mit eleganter Leichtigkeit und grandioser Präsenz aus. Da genügt ein winziger Blick, ein kurzes Zucken, eine Geste oder die leicht veränderte Tonlage, um ganze Gefühlswelten zwischen Stolz und Angst glaubhaft zu machen. Endet das Fest im Fiasko oder mit einer Versöhnung? Die Antwort bleibt bis zur letzten Minute höchst spannend!
doss