American Honey

GB/USA 2016

Ausnahmeregisseurin Andrea Arnold ist immer für eine Überraschung gut. Ihr rigoroses Porträt über Teenager in den USA verzichtet auf gängige Erzählformen und setzt auf Atmosphäre sowie vibrierende Handkamera-Bilder. Wer eine klassische Road Movie-Love Story nach gängigem Erzählmuster erwartet, wird klar enttäuscht. Umso mehr kommt auf seine cineastischen Kosten, wer sich gerne auf einen semidokumentarischen Trip in die Untiefen des amerikanischen Teenager-Lebens begibt, dessen virtuos virtuelles Konzept mit einer Wundertüte eindrucksvoller Bilder besticht.

Auf ein schlüssiges Psychogramm der Akteure wird bewusst verzichtet, dafür sprechen deren Gesichter Bänder. Das schauspielerische Duell zwischen der Debütantin Sasha Lane und Hollywood-Star Shia LaBeouf wird zu einer Klasse für sich.

Wie üblich überzeugt Andrea Arnold durch die Unaufdringlichkeit ihrer Gesellschaftskritik. Wer will, kann diese profitorientierte Generation, der die Werte längst verloren gingen, als Metapher der Hedgefonds-Heuschrecken-Mentalität sehen: Der American Dream als Abzocker-Albtraum. Prinzip Hoffnungslosigkeit.

Regie
Andrea Arnold
Besetzung
Sasha Lane, Shia LaBeouf, Riley Keough, Chad Cox
Länge
163 min

Gleich mit den ersten Bildern ist das Elendsszenario festgezurrt: Eine junge Frau stöbert mit einem kleinen Kind im Abfallcontainer nach Lebensmitteln. Danach versucht sie vergeblich als Anhalterin ihr Glück. Schließlich landet sie auf dem Parkplatz eines Supermarktes, wo ihr der charmante Jake ein verführerisches Angebot macht: Ein lukrativer Trip durch die USA mit einer lässigen Teenager-Truppe. Viel Geld. Viel Spaß. Viel Liebe. Bereits am nächsten Morgen geht die Reise los. Star, so der Name der Heldin, zögert nicht lange. Sie hat es satt, ständig auf ihre Geschwister aufzupassen und sich mit der verantwortungslosen Mutter herumzuschlagen. Mit großen Erwartungen erscheint die 18-Jährige am genannten Treffpunkt. Dort verstauen ein paar Jungs und Mädchen ihr Gepäck bereits in einem Van. Schnell wird dem Neuling das Geschäftsmodell klargemacht: Je mehr Zeitschriften-Abos einer verkauft, desto größer die Provision. Wer die wenigsten Abschlüsse schafft, wird von der Drückerkolonne kollektiv mit einem gnadenlosen Ritual bestraft. Star plagen Skrupel bei solchen Methoden. Doch ihr Schwarm Jake zerstreut die Zweifel mit seinen Verführungskünsten. Das Drama spitzt sich zu, als Star sich von drei vergnügungssüchtigen Cowboys in deren Villa einladen lässt. Plötzlich taucht Jake auf und fuchtelt wütend mit seinem Revolver: Wer eine klassische Road Movie-Love Story nach gängigem Erzählmuster erwartet, wird klar enttäuscht. Umso mehr kommt auf seine cineastischen Kosten, wer sich gerne auf einen semidokumentarischen Trip in die Untiefen des amerikanischen Teenager-Lebens begibt, dessen virtuos virtuelles Konzept mit einer Wundertüte eindrucksvoller Bilder besticht. Auf ein schlüssiges Psychogramm der Akteure wird bewusst verzichtet, dafür sprechen deren Gesichter Bänder. Das schauspielerische Duell zwischen der Debütantin Sasha Lane und Hollywood-Star Shia LaBeouf wird zu einer Klasse für sich. Wie üblich überzeugt Andrea Arnold durch die Unaufdringlichkeit ihrer Gesellschaftskritik. Wer will, kann diese profitorientierte Generation, der die Werte längst verloren gingen, als Metapher der Hedgefonds-Heuschrecken-Mentalität sehen: Der American Dream als Abzocker-Albtraum. Prinzip Hoffnungslosigkeit.
doss