Capernaum - Stadt der Hoffnung

lbn 2018

Der zwölfjährige Zain verklagt seine Eltern. Weil sie ihn auf die Welt gebracht haben, ohne es sich leisten zu können. Das ist die vordergründige Anklage des Films von Nadine Labaki. Der Rest des Films zeigt viel von einer Kindheit unter erbärmlichsten Umständen, für die wer noch mal vor Gericht steht?

Regie
Nadine Labaki
Besetzung
Zain Al Rafeea, Yordanos Shifera, Kawthar Al Haddad ,Fadi Kamel Youssef
Länge
125 min

Zaid ist ungefähr 12 Jahre alt und wächst in einer unüberschaubar großen Familie notleidender illegaler Einwanderer in Beirut auf. Am meisten hängt er an seiner jüngeren Schwester Sahar. Als sie von den Eltern für ein paar Hühner verkauft und verheiratet wird, haut Zaid von zu Hause ab. Durch Zufall lernt er die Äthiopierin Rahil kennen, die dank falscher Papiere einen Job gefunden hat. Doch sie hat ein Baby, den kleinen Yonas, den sie heimlich zur Arbeit mitnehmen muss, weil sie niemanden hat, der auf ihn aufpasst. Zaid und Rahil kommen schnell ins Geschäft. Zaid darf in Rahils Blechhütte im Slum wohnen und wird von ihr versorgt, dafür passt er tagsüber auf Yonas auf. Doch eines Tages kehrt Rahil nicht von der Arbeit zurück, und Zaid steht allein mit einem Baby da. Die ganze Geschichte wird in Rückblenden erzählt, und zwar in einer Gerichtsverhandlung. Zaid verklagt seine Eltern, weil sie ihn in die Welt gesetzt haben, ohne sich um ihn kümmern zu können. Inzwischen sitzt er im Knast, weil er einen der zahllosen Verbrecher niedergestochen hat, die in Beirut mit Illegalen Geschäfte machen. Die libanesische Filmemacherin Nadine Labaki hat für ihren Film Laienschauspieler gefunden, die im Grunde sich selbst spielen. Der pfiffige Zaid (Zain Al Rafeea) ist auch im echten Leben ein syrisches Flüchtlingskind, so wie Yordanos Shiferaw, die Darstellerin der Rahil, als Illegale in Beirut gearbeitet hat. Nach und nach entwickelt Nadine Labaki ihre Story von einer extrem realistischen, beinahe dokumentarischen Vorgabe hin zu einer emotionalen Anklage, die sich gegen eine Welt richtet, in der solche Zustände möglich sind, und gegen die Menschen, die das zulassen. Diese Bilder sind Wirklichkeit, das wird in krassester Form immer deutlicher, und unzählige Kinder wachsen wie Zaid auf: am Rande der Gesellschaft, hungrig und durstig, ohne Liebe und ohne Zukunft. Wie viele von ihnen haben Zaids Mut und seinen Optimismus? Viele versuchen einfach nur irgendwie durchzukommen, um zu überleben. Aber Zaid hat einen Traum: Er möchte Ausweispapiere, damit er überhaupt eine winzige Chance hat, seinem Leben zu entkommen. Ob er das schafft?
sic!