Danish Girl, The

USA/GB/DE 2016

Im Kopenhagen der 1920er-Jahre lebt das Künstlerpaar Einar und Gerda eine harmonische Ehe. Als Einar eines Tages seiner Frau in Frauenkleidung für ein Porträt Modell steht, entdeckt er den femininen Teil seiner Persönlichkeit, den er zunächst als „Lili“ spielerisch auslebt. Doch Lili will kein Rollenspiel sein … Von Oscar-Preisträger Tom Hooper (KING'S SPEECH) nach einer wahren Geschichte.

Regie
Tom Hooper
Besetzung
Eddie Redmayne, Alicia Vikander, Amber Heard, Sebastian Koch, Ben Whishaw
Länge
120 min

Regisseur Tom Hooper, der mit THE KING’S SPEECH einen Welterfolg verbuchen konnte, setzt auf große Unterhaltung: Gefühle tosen, die Musik treibt das Geschehen voran, die Schauspieler agieren selbst in kleinen Rollen mit einer Intensität, als ginge es um ihr eigenes Leben. Die Geschichte, die erzählt wird, beruht auf Tatsachen: 1930 hat sich der dänische Maler Einar Wegener, soweit bekannt als weltweit erster Mensch, einer operativen Geschlechtsumwandlung unterzogen und wurde zu Lili Elbe. Behutsam wird gezeigt, wie Einar eine erste Ahnung von seinem wahren Ich bekommt, sich gemeinsam mit seiner Frau auf den beschwerlichen Weg der Neuerschaffung seiner selbst macht, Rückschläge erleidet, oft mutig neu ansetzen muss und schließlich als Lili Momente eines fast schon übergroßen Glücks erlebt. Doch das ist nicht von Dauer. Eddie Redmayne, für seine Darstellung des jungen Stephen Hawking in DIE ENTDECKUNG DER UNENDLICHKEIT mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet, gibt Einar/Lili eine enorme Präsenz. Seine schier unglaubliche Intensität nimmt einem fast den Atem. Ausgefeilt zeigt er, wie mühsam der Weg von der ersten Ahnung der in Einar schlummernden Sehnsüchte bis zum Ausleben eben dieser ist. Dabei mutet er nie exaltiert an, zeichnet vor allem mit feinem Pinselstrich den komplizierten Charakter der Hauptfigur. Neben ihm agiert die durch den Science-Fiction-Thriller EX MACCHINA bekannt gewordene Schwedin Alicia Vikander als Einars Frau Gerda. Auch sie setzt auf ein eher verhaltenes Spiel. Damit gelingt ihr das facettenreiche Porträt einer Frau, die fast dazu bereit ist, sich für den von ihr geliebten Menschen aufzugeben, sich dann aber doch auf sich selbst besinnt, ohne Einar/Lili fallen zu lassen. Das Spiel beider, dazu in kleineren Rollen Matthias Schoenaerts, Ben Wishaw und Sebastian Koch als Dresdner Arzt, der Einar operiert, begeistert. Große Schauspielkunst! Obwohl der Film in Moll endet, entlässt er das Publikum mit einem versöhnlichen Bild voller Hoffnung. Hoffnung darauf, dass es irgendwann einmal selbstverständlich sein wird, dass Menschen ihre Individualität wirklich frei ausleben können.
pit