Die Berufung - Ihr Kampf für Gerechtigkeit

USA 2019

Nicht nur ein diskrimierender Zeitgeist, sondern 178 ebensolche Gesetze standen Ruth Bader Ginsburg im Weg zu ihrer glanzvollen Karriere am Supreme Court. Heute ist sie als leidenschaftliche Feministin, brillante Richterin und nicht zuletzt als popkulturelle Ikone weltbekannt.

Länge
121 min

Schon die erste Sequenz bleibt haften. Wir sehen elegant beschuhte und behoste Männerbeine bis zum Knie, Hunderte. Es handelt sich nicht um eine Berufsarmee in Freizeitkleidung, sondern um den Einzug der Jurastudenten in die Elite-Universität Harvard. 1956: Lediglich neun Frauen von 500 Studenten sind zugelassen. Bei einem offiziellen Dinner des Fachbereichs muss jede dieser hochbegabten Studentinnen erklären, warum sie einem männlichen Kollegen den Platz wegnehmen. Ruth, die bereits mit 17 geheiratet hat, ist schlau, sagt nur, sie möchte ihren Mann unterstützen, der auch Jurist sei. Noch legt sie sich nicht an mit den Gralshütern der Gesetze, die die Ungleichheit von Frauen und Männern zementieren. Ruth fasst ihr Studium als Trainingslager auf. Sie ist wie Rocky, sie weiß, was sie will: Für Gerechtigkeit sorgen. Ein gigantisches Unternehmen, an dem sie sich bis heute aktiv beteiligt. Seit 1993 ist sie Bundesrichterin auf Lebenszeit am obersten Gerichtshof – die Dokumentation rbg zeigt diesen Weg, und die berufung, der bildbetörende und inspirierende Hollywoodfilm, konzentriert sich auf die Voraussetzungen und Bedingungen dieser 1933 geborenen New Yorkerin, Tochter eines russisch-jüdischen Vaters und einer österreichisch-jüdischen Mutter. Mit viel Liebe auch zu intimen Details, aber ohne sich zu verzetteln, zeigt Mimi Leder, wie viel Glück Ruth hatte, einen Ehemann zu haben, der sie in allem unterstützt. Das Ehepaar kämpft tatsächlich Seite an Seite, Schreibtisch an Schreibtisch. Liebe und Wertschätzung schimmern in jeder noch so heftigen Diskussion durch. Die Frauenbewegung der 60er- und 70er-Jahre bleibt ihr fremd. Erst Tochter Jane macht sie bei einem Streit aufmerksam auf Frauen wie Gloria Steinem. Die Regie lässt die Stereotypen der amerikanischen Gerichtsfilme links liegen. Es ist die Entstehungsgeschichte einer der großen Frauen unserer Zeit. Was hat sie zu dem gemacht, was sie ist? Ja, sie ist Wonderwoman, Superwoman. Auch sie hat Neuland betreten. Es geht nicht um Sex, es geht um Gender. Um Gerechtigkeit vor dem Gesetz für alle. Der Kampf ist noch lange nicht zu Ende. Nirgendwo auf der Welt.
ges