Die Mitte der Welt

DE 2016

Der Roman einer ganzen Generation kommt endlich auf die Leinwand: Das innige Verhältnis des 17-jährigen Phil zu seiner besten Freundin Kat wird auf die Probe gestellt, als sich Phil in den neuen Mitschüler Nicholas verliebt. So berührend und entspannt hat das deutsche Kino noch nie von der Suche nach der eigenen Identität erzählt.

Regie
Jakob M. Erwa
Besetzung
Louis Hofmann, Sabine Timoteo, Jannik Schümann, Ada Philine Stappenbeck
Länge
115 min

Schon der Roman war eine Offenbarung, für mehr als nur eine Generation. 1998 erschien Andreas Steinhöfels Die Mitte der Welt über den 17-jährigen Phil, der gar nicht weiß, was ein »normales« Leben sein soll. Plötzlich war da ein Buch, in dem sich alle wiedererkannten, die sich irgendwie anders fühlten und die Wirrungen des Erwachsenwerdens selbst erlebt haben. Und diesen Bestseller hat nun der junge Regisseur Jakob M. Erwa als Spielfilm adaptiert, der die jugendliche Gefühlsachterbahn ebenso mitreißend wie berührend auf die Leinwand bringt. Ein Glücksfall fürs deutsche Kino! Zusammen mit seiner Zwillingsschwester Dianne und seiner flippigen Mutter Glass wohnt Phil in einer alten Villa am Rande der Stadt, immer wieder auch mit Mamas wechselnden Liebhabern. Und Phil ist schwul, was für niemanden ein Thema ist, auch für seine beste Freundin Kat nicht. Phil ist auf der Suche, er will Ordnung in das Chaos seiner Gegenwart bringen, die Mitte der Welt finden. Seinen Vater hat Phil nie kennengelernt, Glass schweigt über den Erzeuger ihrer Kinder bis heute. Phil versteht auch nicht, warum sich Dianne immer mehr zurückzieht und sie vor allem mit ihrer Mutter kaum noch ein Wort redet. Und dann taucht am ersten Schultag nach den Sommerferien auch noch ein Neuer in der Klasse auf, in den sich der feinfühlige Phil sofort unsterblich verknallt. Nicholas scheint seine Gefühle zu erwidern, doch er bleibt Phil ein Rätsel. Und Kat weiß noch gar nicht, dass es im Leben ihres besten Freundes einen neuen wichtigsten Menschen gibt ... Erwa findet für dieses Gefühlswirrwarr immer wieder brillante visuelle Einfälle und erinnert mit seinem Gebrauch von knalligen Bildern und Popsongs bisweilen an die Filme des kanadischen Wunderkinds Xavier Dolan (Herzensbrecher). In seiner durch und durch liebenswerten Adaption gelingt ihm die Balance, mit leichter Hand vom Erwachsenwerden, der ersten Liebe und der Suche nach der eigenen Identität zu erzählen, ohne jemals den Faden zu verlieren. Oder wie es Glass in einem ihrer lichten Momente formuliert: »Die Mitte der Welt ist für jeden woanders. Je nachdem, wo man steht und was einem wichtig ist.« Gemüter die Taschentücher einstecken.
jg