El Clan

ARG / ES 2016

Argentinien in den frühen 80ern. Die Puccios leben in einem gutbürgerlichen Stadtteil in Buenos Aires, nach außen wirken sie wie eine ganz normale Großfamilie. Doch der Schein trügt. Im Verborgenen führt Patriarch Arquímedes Puccio (Guillermo Francella) mit harter Hand die dunklen Geschäfte der Familie: Kidnapping, Lösegelderpressung, Mord. Er ist es, der alle Operationen plant und umsetzt. Dafür braucht er vor allem die bedingungslose Unterstützung seines ältesten Sohnes Alejandro (Peter Lanzani), der für ihn geeignete Opfer ausfindig macht. Als Star-Spieler der Rugby-Nationalmannschaft ist Alejandro durch seine Berühmtheit über jeden Verdacht erhaben und somit das ideale Werkzeug. Doch als Alejandro sich verliebt und das grausame Familienbusiness in Frage stellt, kommt es zu einer gefährlichen Zerreißprobe zwischen Vater und Sohn… Prokino

Regie
Pablo Trapero
Besetzung
Guillermo Francella,Lili Popovich,Peter Lanzani,Antonia Bengoechea
Länge
109 min

Von 1976 bis 1983 wurde Argentinien von einer Militärdiktatur tyrannisiert. Tausende Dissidenten und Andersdenkende fielen den Schergen des Geheimdienstes in die Hände und verschwanden spurlos. Mit dem demokratischen Wandel, der 1983 einsetzte, änderte sich die Situation grundlegend. Auch für die meist gutbürgerlich lebenden, weiterhin bestens vernetzten Geheimdienstmitarbeiter und Folterknechte. Deren herausragende Talente in den Bereichen Entführung und Mord fanden nun auf dem freien Arbeitsmarkt neue Einsatzgebiete, wie Regisseur Pablo Trapero am Puccio-Clan nach wahren Vorbildern aufzeigt. Wenn Vater Arquímedes nicht gerade den Bürgersteig fegt, kidnappt er reiche Argentinier und versteckt sie im Keller seines Hauses. Sohn Alejandro hat zwar Skrupel, will aber die Anerkennung des Vaters nicht verlieren und hilft. Als Star der Pumas, der Rugby-Nationalmannschaft, ist er der perfekte Tarnmantel des Familienunternehmens. Mutter Epifanía will nicht viel wissen, tut aber alles für den Zusammenhalt der Sippe und beruhigt notfalls die am Menschenraub nicht direkt beteiligten Töchter, wenn die qualvollen Schreie der Opfer das Radio übertönen und nach Erklärungen verlangen. Es ist die Normalität der Gewalt, die Arquímedes keinen Augenblick an der Richtigkeit seines menschenverachtenden Geschäftsmodells zweifeln lässt und mit der er die Zweifel aller daran Beteiligten zerstreut. Gelernt ist gelernt und zudem bewegt er sich über lange Zeit im Schutz ehemaliger Kollegen und Vorgesetzter, die nach wie vor im Staatsdienst ihr Plätzchen halten. Pablo Trapero hat diese ungeheuerliche Normalität brillant inszeniert und eingefangen. Am stärksten, wenn er einen Moment sexueller Verzückung, den Alejandro auf dem Autorücksitz findet, mit der Ermordung eines frühen Opfers filmisch verknüpft und diese wechselhaften Szenen mit dem zeitgemäßen Song Sunny Afternoon der Kinks unterlegt. El Clan bietet einen extrem intensiven Einblick in die entmoralisierte Seelenleere, die eine Diktatur bei ihren Trägern hinterlässt, und die wohl nichts so widerspiegeln kann wie die erbarmungslosen Eisaugen des großartigen Guillermo Francella als Patriarch des Puccio-Clans.
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