Ewige Jugend

IT/FR/CH/UK 2015

Die alten Freunde Fred (Michael Caine) und Mick (Harvey Keitel) teilen in den Schweizer Alpen zwar ihr mondänes Ferienhotel, haben aber ganz unterschiedliche Vorstellungen bezüglich ihres Alterswerks: Während der berühmte Komponist und Dirigent Fred sich dem süßen Nichtstun hingibt, treibt den geschäftigen Regisseur Mick sein neustes Filmprojekt um, das durch die Launen seiner Muse Brenda (Jane Fonda) zu platzen droht. Fred hingegen philosophiert lieber mit dem jungen Schauspieler Jimmy (Paul Dano) über das Leben, die Liebe und die Macken der anderen Gäste. Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino (La Grande Bellezza, Cheyenne) wird seinem Ruf als großartiger Geschichtenerzähler einmal mehr gerecht. Das opulente Drama verblüfft durch ein Füllhorn famoser Einfälle, geschliffener Dialoge und grandioser Einstellungen.

Regie
Paolo Sorrentino
Besetzung
Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz
Länge
124 min

Fellini auf dem Zauberberg: Paolo Sorrentino schickt zwei alternde Künstler in ein Schweizer Alpenhotel und lässt sie über das Leben und die Liebe sinnieren. Ganz großes Kino! Fred und Mick sind alte Freunde, gerade machen sie zusammen Urlaub in einem Nobelhotel in den Schweizer Alpen, wie jedes Jahr. Fred Ballinger ist Komponist, der sich nach dem Tod seiner Frau zur Ruhe gesetzt hat, Mick Doyle will es als Filmregisseur noch einmal wissen, er arbeitet an seinem letzten, großen Werk, das sein Testament werden soll. Gemeinsam sinnieren sie über die verrinnende Zeit, die Vergänglichkeit der Jugend und die anderen Hotelgäste: ein amüsantes Panoptikum skurriler Charaktere. Die Ruhe stört ein Abgesandter der britischen Queen, der Ballinger überreden will, sein „Simple Songs“ noch einmal zu dirigieren. Er verweigert sich beharrlich. Seine Tochter Lena lenkt als Agentin seinen Karriereabend, erinnert den alten Mann aber auch an seine persönlichen Verfehlungen als Vater und Ehemann. Mick arbeitet währenddessen mit einer Gruppe junger Autoren an einem Drehbuch mit dem Titel „Life’s Last Day“ und will nicht wahrhaben, dass seine großen Tage vorbei sind. Sehnsüchtig wartet er auf die Ankunft seiner Muse Brenda Morel (Jane Fonda in einem sensationell divaesken Kurzauftritt), ohne die aus dem Filmprojekt nichts werden würde. Ein melancholisch-komischer Reigen voll visueller Pracht und überbordendem Ideenreichtum Wie schon in seinem letzten Film LA GRANDE BELLEZZA – DIE GROSSE SCHÖNHEIT zeigt Regisseur Paolo Sorrentino das Panorama einer untergehenden Gesellschaft und schwelgt zugleich in deren luxurösen wie exzentrischem Lebensstil. Von der ewigen Party Roms nun also die Reha in den Bergen. Er beobachtet die Hotelgäste, wie sie in diesem Refugium abseits der Welt in den Tag hineinleben und über Prostataprobleme plaudern. Sein neues Meisterwerk ist ein melancholisch-komischer Reigen voll visueller Pracht und überbordendem Ideenreichtum. Man mag sich gar nicht satt sehen an all den absurden (und erstklassig besetzten) Figuren, dem fetten Maradona-Doppelgänger mit Sauerstoffgerät, dem ausgebrannten Hollywoodjungstar oder der überraschend smarten Schönheitskönigin. Als hätte sich Federico Fellini auf Thomas Manns ‚Zauberberg’ niedergelassen und würde noch einmal über all die großen und kleinen Dinge des Lebens philosophieren. Sorrentinos EWIGE JUGEND ist von großer Schönheit.
JG