Fahrenheit 11/9

USA 2018

Ein polarisierender Paradepolemiker mit dem Knüppel hinter der Kamera: Agitprop-Anarchist Michael Moore seziert in seinem aktuellen Rundumschlag das Trump-Trauma und sorgt wieder für knallharte Kontroversen.

Regie
Michael Moore
Länge
128 min
Programm
Yorck loading

»Ich mag es sehr, was er macht, es macht Spaß! Ich hoffe, er macht niemals einen Film über mich«, spöttelte Donald Trump vor zwei Jahrzehnten in der TV-Talkshow von Roseanne Barr über Amerikas unbequemen Dokurebellen. Im aktuellen Frontalangriff kommt der unberechenbare Gesetzesdealer wieder zu Wort: »Hass könnte genau das sein, was wir brauchen, um etwas zu schaffen«, erklärt Donald in FAHRENHEIT 11/9. Spontan montiert der Oscarpreisträger plakative Sequenzen ein, die diesen weltgefährdenden Hass abbilden. Die Skandalikone scheut keine Tabus. In suggestive Kadragen montiert er historische Redefloskeln Adolf Hitlers ein, überlegt sie mit Trumps Stimme, die deklamiert: »Die Menschheit werde Zeuge einer Bewegung«, die »die Welt noch nie gesehen« habe. Der bowling for columbine-Inszenator ist berüchtigt dafür, sich lauthals mit der Sozialpolitik seiner Heimat zu befassen. Mit FAHRENHEIT 9/11 inszenierte er 2004 ein Doku-Highlight, in dem er mit dem Ex-Präsidenten George W. abrechnete. Nun Americas Biedermann und Brandstifter unter Moores cineastischer Guillotine. Der Filmtitel referiert Trumps Amtseinführung. »Wir haben gehofft. Doch diese Hoffnung hat uns getötet. Zu hoffen war gutgläubig. Aber wir brauchten keine Ruhe, sondern Action«, heißt es im aufwühlenden Politpotpourri: Moore bebildert die Fassungslosigkeit des Wahlsieges, das sinistre Verhältnis zur Tochter Ivanka zu Zeiten der ausufernden #MeToo-Kampagne. Dann fokussiert verschwörungstheoretisch Willkür, Wahlgesetze und Waffengewalt. Auch Moores Lieblingsfall, der Skandal um vergiftetes Industriewasser in seiner Heimat Flint, Michigan, unter Barack Obama, sprudelt wieder über. Moore wettert wütend über das »verrottete System« und agitiert Anarchie. Seine Politparolen können subversiver nicht sein: »Egal, was man Trump entgegenwirft, es hat nie funktioniert. Egal, was enthüllt wird, er steht weiter aufrecht. Fakten, Realität, Verstand können ihn nicht besiegen.« Alles am Ende, oder am Ende alles? Man wird sehen. Der Betrachter wird indes mit entfachtem Erstaunen das Kino verlassen. Feuer spielte auch in Ray Bradburys berühmter Dystopie fahrenheit 451 eine Rolle. Bei diesem Hitzegrad verbrennt Papier.
jea