Gundermann

D 2018

GUNDERMANN erzählt von einem Baggerfahrer, der Lieder schreibt. Der ein Poet ist, ein Clown und ein Idealist. Der träumt und hofft und liebt und kämpft. Ein Spitzel, der bespitzelt wird. Ein Weltverbesserer, der es nicht besser weiß. Ein Zerrissener. Mit feinem Gespür, Zärtlichkeit und Humor wirft Regisseur Andreas Dresen einen Blick auf das Leben von Gerhard „Gundi“ Gundermann, einem der prägendsten Künstler der Nachwendezeit. Er starb 1998, mit gerade einmal 43 Jahren.

Regie
Andreas Dresen
Besetzung
Alexander Scheer, Anna Unterberger, Axel Prahl, Thorsten Merten
Länge
128 min
Programm
Yorck loading

Fleischerhemd, Hosenträger, Brille und das blonde dürre Haar als Pferdeschwanz zusammengebunden: Ein beseelter Dichter war Gerhard Gundermann, als er anfing, den Gedanken und Gefühlen, die durch seinen Kopf streunten, in Liedtexten Auslauf zu geben. Für die Arbeiterklasse und ihre Jugend wurde er damit ein Held; die Partei aber schloss ihn aus wegen »Nichteinfügen ins Kollektiv“. Bis er mit 43 an Gehirnblutung starb, lebte Gundi intensiv zwei Leben, wenn er vom Bagger zum Konzert fuhr und vom Konzert zurück auf den Bagger und sich dabei zerrieb, aber voller Liebe. Denn es ist ja ausschließlich sein Herz, dem Gundermann folgt: auch hin zu Conny, die eigentlich die Frau des Gitarristin ist, und hin zur besseren Welt, die er sich vorstellt da hoch oben in der Kanzel des gigantischen Braunkohlebaggers, wo er aufs Abfressen der Landschaft hinabblickt und Textzeilen in sein Diktiergerät spricht: poetisch und starrsinnig, zärtlich und existenziell, fröhlich und melancholisch: ein Rio Reiser aus der Lausitz. gundermann ist Liebes-, Musik- und Heimatfilm und herzliche Tragikomödie – keine Biografie, sondern eine Art gefilmter Songsammlung über zwei Lebensphasen: Gundis Aufbruch in den 70ern, auf dem Bagger in Hoyerswerda , an der Basis – und Mitte der 90er, als seine IM-Vergangenheit ans Licht kommt und er sich seine Glaubwürdigkeit zurückerkämpft. Über zehn Jahre lang hat Andreas Dresen mit seiner Drehbuchschreiberin Laila Stieler an diesem Film gearbeitet, denn es gibt ja Unmengen an Material von und über Gundermann. Gundis Frau Conny und Tochter Linda haben geholfen: beim Sichten des Materials und des Menschen und seiner Umgebung. Das Ergebnis ist dicht geworden und wuchtig: ein Film aus lauter Zwischentönen – zärtlich und voller Humor und aufrecht –, wie seine Figur eben: mit dem Kopf in den Wolken und den Stiefeln im Schlamm der Braunkohle. Und Conny, die Witwe, war erschrocken, wie nahe der großartige Schauspieler Alexander Scheer an ihrem verstorbenen Gundi dran ist: Gestik, Motorik, Gesang ... »Meine Pistole war geladen, mit dem allerletzten Schuss. Ich hab’ sie unterm Kirschenbaum vergraben, weil ich doch hierbleiben muss.«
laf