Liebe Halal

LBN, DE 2015

Kann denn Liebe halal sein? In der turbulenten Komödie von Assad Fouladkar verheddern sich drei muslimische Paare aus Beirut komplett im Regelwerk gesellschaftlich-religiöser Erwartungen.

Regie
Assad Fouladkar
Besetzung
Darine Hamzé, Rodrigue Sleiman, Berlin Badr, Cristy Bared
Länge
91 min

Was dem Juden sein koscher ist dem Muslim sein halal. Wie das Essen soll auch die Liebe sein: rein und gottgefällig. Aber was, wenn eine Frau sich nach einem verheirateten Mann verzehrt? Oder der geliebte Ehemann krankhaft eifersüchtig ist? Was bedeutet es für eine Frau im Libanon, geschieden zu sein? Mit kleinen exemplarischen Geschichten lässt uns Assad Fouladkar in das erotische Großstadtleben von Beirut eintauchen und bringt uns das Fremde nah, indem er hinter Gefühlen, die wir alle kennen, das feine Regelwerk einer fremden Kultur sichtbar macht – inklusive der Absurditäten, die daraus entstehen, dass man die Regeln einhält! Ausgerechnet eine libanesische Komödie macht uns vor, wie Genderdiskussion geht. Das klingt anstrengend, ist es aber nicht, denn Fouladkar ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Prinzip: Annäherung durch Einfühlung – der olle Brecht mit seinem Verfremdungseffekt würde sich im Grab umdrehen! Köstlich, wie Awatef ihrem Ehemann eine Zweitfrau unterjubeln will, weil sie keine Lust mehr hat, mit ihm zu schlafen: Doch der wildlockige Faun mit beginnender Stirnglatze versteht nicht! Wie ihm langsam dämmert, was seine Frau von ihm will bzw. nicht will, das ist so komisch wie tragisch. Und dann kommt tatsächlich eine arabische »Bardot« ins Haus. Wen die Götter strafen wollen, dem erfüllen sie seine Wünsche – das zeigt der arabische Autorenfilmer so komisch wie hintergründig. Lange Kameraeinstellungen, wie in Woody Allens Beziehungskomödien, streifen Gesichter und Bewegungen der Figuren, samt dem pulsierenden Lebensgefühlt einer Stadt mit ihrem exotischen Flair. Es ist dem Regisseur wichtig, seine Figuren in ihrer Umgebung zu verorten. Mit einem wunderbaren Typenensemble, das einer türkischen Soap entsprungen sein könnte, beweist der Autorenfilmer, dass eine spritzig erotische Salonkomödie nicht unbedingt aus Paris kommen muss. Sexualkunde auf libanesisch – zum Schreien komisch! Und wenn das alte Paar aus dem Erdgeschoss wieder den Stuhl vor die Wohnungstür stellt, um sich den besten Logenplatz zu sichern, weiß das ganze Haus, und wir als Zuschauer, dass es gleich losgeht mit dem nächsten Eifersuchtsdrama.
nal