Lommbock

D 2017

Reine Ware statt genmanipulierter Haze-Scheiße - Etwas grauer im Bart, aber immer noch grün im Kopf kiffen sich Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz durch das späte Sequel zu LAMMBOCK.

Regie
Christian Zübert
Besetzung
Moritz Bleibtreu, Lucas Gregorowicz, Louis Hofmann, Alexandra Neidel, Elmar Wepper
Länge
105 min

Einen Moment befürchtet man fast, über 15 Jahre nach der kultigen Slacker-Komödie LAMMBOCK bedient der Nachfolger nun doch das Kiffer-Klischee, gegen welches sich das Original noch vehement wehrte. Im schnöseligen Anzug zieht Stefan (Lucas Gregorowicz) auf einem zur Reggae-Strandbar umfunktionierten Dach eines Hochhauses in Dubai an einem mutmaßlichen Joint. Anschließend besucht er seine wohlhabende Verlobte Yasemin bei ihrem Boxtraining, bevor es für ihn in den Flieger, auf den besten Platz und ab in die Heimat geht. Vieles scheint sich verändert zu haben, doch am Flughafen wartet bereits Kai (Moritz Bleibtreu) mit einer backfrischen Pizza Gourmet. Sobald das Duo wieder vereint im Auto sitzt, ist alles beim Alten. Dramaturgisch ist LOMMBOCK ein ebenso simpler 3-Akter wie LAMMBOCK, in allen anderen Belangen hat sich jedoch nicht nur Regisseur und Drehbuchautor Christian Zübert spürbar weiterentwickelt. Alles huldigt dem ersten Film, ohne in nostalgischer Gefallsucht aufdringlich zu sein, und bleibt ihm stilistisch treu, ohne uneigenständig oder gar identitätslos zu wirken. Referenzen an den Film von 2001 erscheinen oft nur als meist unkommentierte, beiläufige Details. Man achte nur darauf, wer als Insasse in einer Anstalt sitzt. Die Tarantinoesken Dialoge warten mit ihren ganz eigenen (Running-)Gags (»genmanipulierte Haze-Scheiße«), wilden Theorien (»Die Menschheit stammt von Außerirdischen ab«) und Anlehnungen an den Zeitgeist (alte Männer, neue Technologien) auf und sitzen dank Moritz Bleibtreu in komödiantischer Hochform besonders gut. Unter ihm wird sogar eine Szene, in der seine Figur versucht, per Jugendsprache zu seinem Stiefsohn Jonathan (Louis Hofmann) durchzudringen, zum erfolgreichen Drahtseilakt zwischen hochgradiger Fremdscham und überspitzter Wahrheit. Das grüne Gold wird deutlich weniger oft in den Mittelpunkt gerückt, was nicht heißt, dass lommbock ein erwachsener Film ist, es betont eher, dass die mittlerweile Reihe sich nie vordergründig als Komödie über das Kiffen sah. In LAMMBOCK schlugen sich Kai und Stefan durch die finale Adoleszenz-Phase in Richtung Zukunft, in LOMMBOCK blicken sie zurück.
haz