Mademoiselle Hanna und die Kunst Nein zu sagen

Mademoiselle Hanna und die Kunst Nein zu sagen

FR 2016

So auch die Culture-Clash-Komödie MADEMOISELLE HANNA, die in einem Pariser Vorort spielt: Eine turbulente Handlung im Migrantenmilieu, fabelhafte Schauspieler und gutgelaunte Dialoge, gewürzt mit der Leichtigkeit des erotischen Daseins. Vive la France!

Das fühlt auch Hannas Papa, Monsieur Belkacem. Der überangepasste Gemüsehändler mit algerischen Wurzeln will es allen recht machen. Er zerreißt sich schier, um auch noch die ausgefallensten Wünsche seiner Kundinnen zu befriedigen. Mutti Simone, eine astreine Französin, leidet dagegen unter einem Helfersyndrom. In ihrer winzigen Wohnküche therapiert die studierte Psychiaterin ihre ganze Nachbarschaft – Hanna und ihr kleiner Bruder mittendrin. Das prägt und färbt ab: Die lebenslustige Hanna kann einfach nicht Nein sagen!

Regie
Baya Kasmi
Besetzung
Vimala Pons, Mehdi Djaadi, Agnès Jaoui
Länge
100 min

So auch die Culture-Clash-Komödie MADEMOISELLE HANNA, die in einem Pariser Vorort spielt: eine turbulente Handlung im Migrantenmilieu, fabelhafte Schauspieler und gutgelaunte Dialoge, gewürzt mit der Leichtigkeit des erotischen Daseins. Vive la France! Das fühlt auch Hannas Papa, Monsieur Belkacem. Der überangepasste Gemüsehändler mit algerischen Wurzeln will es allen recht machen. Er zerreißt sich schier, um auch noch die ausgefallensten Wünsche seiner Kundinnen zu befriedigen. Mutti Simone, eine astreine Französin, leidet dagegen unter einem Helfersyndrom. In ihrer winzigen Wohnküche therapiert die studierte Psychiaterin ihre ganze Nachbarschaft – Hanna und ihr kleiner Bruder mittendrin. Das prägt und färbt ab: Die lebenslustige Hanna kann einfach nicht Nein sagen! Schlechte Voraussetzungen für eine Personalchefin, die knallharte Kündigungen aussprechen muss! Doch Hanna entwickelt eine Methode, das angeknackste Ego der Gefeuerten im wahrsten Sinn des Wortes wieder aufzurichten: JE SUIS A VOUS TOUT DE SUITE heißt der Film im Original, und Hanna nimmt das »Stets zu Diensten!« wörtlich – ein wandelnder Männertraum! Allerdings nicht im Auge ihres Bruders, der als gläubiger Muslim findet, dass seine Schwester eine Schlampe ist. Denn Hannas Röcke sind immer einen Tick zu kurz und die knappen Oberteile einen Tick zu offenherzig. Was sie an Stoff einspart, verschwendet Bruder Hakim umso großzügiger: Er hüllt sich und seine Frau in lange Gewänder und wird immer verbissener bei der Suche nach religiöser Identität. nomen est omen – in Wirklichkeit heißt Hakim Dieudonné, was in etwa dem deutschen Gottlieb entspricht. Er wird zum Gespött des ganzen Viertels! Die Drehbuchautorin Baya Kasmi, die zum ersten Mal Regie macht, packt in ihr Langfilmdebüt so ziemlich jedes heiße Thema, das im Moment diskutiert wird: Integration, Drogen, religiöser Fundamentalismus, Kindesmissbrauch und die Suche nach kultureller Identität in den Banlieus. Doch weil alles so charmant und leichtfüßig daherkommt und schließlich in eine wunderbar komische Liebesgeschichte zwischen Hanna und dem melancholischen Arzt Dr. Martins mündet, nimmt man ihr das gerne ab.
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