Märchen der Märchen, Das

IT/FR/GB 2015

Was für uns die Gebrüder Grimm sind, ist für die Italiener Giambattista Basile: Dessen Märchensammlung Das Pentameron liegt diesem exzentrischen, bunten, bizarren Film zugrunde.

Regie
Matteo Garrone
Besetzung
Salma Hayek, Vincent Cassel, Toby Jones
Länge
134 min

Am Hof des Königs amüsieren Gaukler und Akrobaten die Gesellschaft, allein die Königin ist nicht amüsiert: Alles, was sie will, ist ein Baby, doch um das zu bekommen, muss ihr Gemahl ein Seeungeheuer erlegen, dessen Herz schließlich von einer Jungfrau gekocht werden muss. Der Plan gelingt, doch mit ungeahnten Folgen. Ein anderer König ist mehr an seiner Insektensammlung interessiert als am Wunsch seiner Tochter Fenizia, einen Gemahl zu finden. Ein weiterer König verbringt seine Zeit am liebsten mit schönen Frauen. Diesmal hat er sich in eine liebreizende Stimme verliebt, doch die gehört der alten, hässlichen Dora. Im Dunkeln gibt sie sich dem König hin, dessen Neugier ihm jedoch keine Ruhe lässt: Bei Licht wirkt Dora ganz anders und so wird sie kurzerhand aus dem Schlossfenster geworfen. Doch das bedeutet in diesem Fall nicht ihren Tod, sondern die Verwandlung in eine schöne, holde Maid. Märchen sind bekanntermaßen moralische Geschichten, die bei aller Gewalt und Brutalität, die ihnen oft zu eigen sind, im Kern geradezu didaktische Intentionen haben. Man darf davon ausgehen, dass genau das Matteo Garrone nach seinem Mafiaepos gomorrha dazu veranlasste, die Erzählungen von Basile zu verfilmen. Wie momentan viele Arthouse-Regisseure, drehte er auf Englisch, was zum einen ermöglichte, mit international bekannten Schauspielern zu arbeiten, die wohl für die Finanzierung unumgänglich waren – was seinem Film aber zum anderen eine zusätzlich künstliche Aura verleiht, die unmittelbar an Pier Paolo Pasolinis decameron denken lässt. Auch Garrone hält der zeitgenössischen Gesellschaft den Spiegel vor und erzählt auf mal unmittelbare, mal verklausulierte Weise vom Schönheitswahn, von Eitelkeit, von Missgunst und Gier. Wie tief man in die psychologischen Abgründe der Episoden gehen will, bleibt jedem selbst überlassen. Doch auch, wenn man nur die Oberfläche von das märchen der märchen betrachtet, bleibt Matteo Garrones Film ein reicher Bilderbogen, gedreht in prächtigen Kulissen, ausgestattet mit prunkvollen Kleidern, schönen und merkwürdigen Gestalten, kurz: ein enorm phantasievoller Film, der allzu leicht nur als schöner Schein wahrgenommen wird.
mm