Mahana - Eine Maori-Saga

NZ 2016

Familienfehde, der brutale Patriarch, grenzüberschreitende Liebe – auf den ersten Blick bewegt sich der auch in Hollywood längst erfolgreiche Regisseur Lee Tamahori mit MAHANA auf vertrautem Filmterrain. Dennoch gelingt es ihm, in seiner unaufgeregten, herrlich bebilderten Erzählung seinen ganz eigenen Ton und – noch wichtiger – seine eigene Geschichte zu finden

Regie
Lee Tamahori
Besetzung
Temuera Morrison, Akuhata Keefe, Nancy Brunning, Maria Walker, Te Kohe Tuhaka
Länge
103 min

Der ausschließlich gottesfürchtige Tamihana Mahana hat es in den Sechzigerjahren an der Ostküste Neuseelands weit gebracht. Die Schafschurszene dominiert er – insbesondere gegenüber der verhassten Konkurrenz der Poatas – fast so sehr wie seinen maorischen Familien-Clan. Von seinen Kindern und Enkeln duldet er keinerlei Widerspruch, bei Missachtung droht die familiäre Exkommunikation und Ächtung. Allein dem cleveren Simeon, der beim Schafescheren eine ähnlich gute Figur abgibt wie beim Bücherlesen, gelingt die widerspruchslose Unterwerfung unter die Herrschaft des Patriarchen nicht. Wer gelernt hat, Fragen zu stellen, hört damit nicht mehr auf. Weder im Gerichtssaal, wo Simeon in seiner Dankesrede vom Richter Auskunft über das Verbot der maorischen Sprache wünscht, noch gegenüber dem Großvater, den er zu einer Debatte über die vermeintliche Sittenlosigkeit des Kinos herausfordert. Der Streit eskaliert, die Familie des Querulanten wird verbannt, doch das weckt erst so richtig den Widerstandsgeist. Als Mahana II treten die Geächteten beim nächsten Schafschurwettbewerb an, fordern den Alten und die Poatas heraus und lüften schließlich auch noch das schmutzige Geheimnis des Streits der beiden Clans. Familienfehde, der brutale Patriarch, grenzüberschreitende Liebe – auf den ersten Blick bewegt sich der auch in Hollywood längst erfolgreiche Regisseur Lee Tamahori mit mahana auf vertrautem Filmterrain. Dennoch gelingt es ihm, in seiner unaufgeregten, herrlich bebilderten Erzählung seinen ganz eigenen Ton und – noch wichtiger – seine eigene Geschichte zu finden. Das fabelhaft harmonierende Schauspielerensemble, allen voran der gewitzte Schlingel Akuhata Keefe, verknüpft die verschiedenen Ebenen zu einem großen Ganzen, in dem die Konflikte zwischen den Clans, den Generationen, zwischen Tradition und Moderne ebenso Platz finden wie Verweise auf die Diskriminierung und Wertschätzung maorischer Kultur. Wenn dann noch zu Pferd Kinovorstellungen gesprengt, Oldtimerrennen zu Beerdigungen ausgetragen und melodische Verträge mit Bienen ausgehandelt werden, kann an dieser Stelle nur eine explizite Guck-Empfehlung ausgesprochen werden.
LL