Meine Zeit mit Cezanne

FR 2016

Die Franzosen verstehen es, ihre Künstler zu feiern: Nach Renoir und Gainsbourg steht jetzt die Freundschaft von Emile Zola und Paul Cézanne im Mittelpunkt des Biopics von Danièle Thompson. Regisseurin Danièle Thompson steigt mit Verve in das Leben der französischen Künstler-Ikonen ein und ihre Faszination überträgt sich: Sie lässt den Zuschauer mit ihrem Drehbuch aus geschliffenen Dialogen teilnehmen an der komplizierten Männerfreundschaft zweier hochsensibler, leicht entzündlicher Künstlergenies, deren tiefe Zuneigung, vielleicht sogar Liebe, ihr späteres Zerwürfnis nicht verhindern kann.

Regie
Danièle Thompson
Besetzung
Guillaume Gallienne, Guillaume Canet, Alice Pol, Déborah François, Sabine Azérna
Länge
116 min

»Was ist ein Künstler? Einer, der sein Leben lang darbt für eine Minute Applaus!« Ausgelassenes Gelächter beim exquisiten Souper zu Ehren von Emile Zola – der Meister selbst lächelt und schweigt ... Paul Cézanne dagegen ist nicht zum Lachen zumute. Seinem besten Freund zuliebe hat der seine einsame Künstlerklause in Aix-en Provence verlassen und ist nach Paris gereist, dem Ort seiner größten Niederlagen. Dort wird jetzt sein Freund gefeiert. Nach einem veritablen Eklat verlässt er die »feine« Gesellschaft. Regisseurin Danièle Thompson steigt mit Verve in das Leben der französischen Künstler-Ikonen ein und ihre Faszination überträgt sich: Sie lässt den Zuschauer mit ihrem Drehbuch aus geschliffenen Dialogen teilnehmen an der komplizierten Männerfreundschaft zweier hochsensibler, leicht entzündlicher Künstlergenies, deren tiefe Zuneigung, vielleicht sogar Liebe, ihr späteres Zerwürfnis nicht verhindern kann. Spannung erhält die Handlung durch die Gegenläufigkeit ihrer Lebenswege: So erlebt das einstmals bitterarme italienische Migrantenkind Emile Zola, das auf dem Schulhof verhöhnt und geprügelt wurde, als Schriftsteller einen fast kometenhaften Aufstieg, während der aus reichem Haus stammende Paul Cézanne, der den neuen Mitschüler sofort unter seine Fittiche genommen hat, sein Leben lang um künstlerische Anerkennung ringt. In opulenten Bildern fängt die Kamera die in gleißende Farben getauchte Landschaft der Provence ein und filmt die Jugendfreunde beim Wandern oder Baden am See, wenn Cézanne im Freien die Staffelei aufstellt. Als sie später über das schwere Mobiliar von Zolas Studierstube gleitet, wirkt der Dreißigjährige, als wäre der Staub faustischer Gelehrsamkeit auf ihn gefallen. Auf dem Höhepunkt seines Ruhms gesteht er seinem Freund in einer bewegenden Szene, dass er sich als Verlierer sieht: »Ich bin impotent und habe keinerlei Freude mehr am Leben.« Der leidenschaftliche »Hungerleider« Cézanne verfolgt dagegen zwischen Wut und Depression seine künstlerische Suche und ist tief verletzt als er sich in einem Roman seines bewunderten Freundes als gescheiterte Malerfigur wiedererkennt. Es kommt zum Bruch ...
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