Monsieur Chocolat

F 2015

MONSIEUR CHOCOLAT erzählt die wahre Geschichte vom Aufstieg und Fall von Raphaël Padilla, der unter dem Namen Chocolat als erster schwarzer Künstler auf einer französischen Bühne zu großem Ruhm und Reichtum gelangte und beides wieder verlor. In den Hauptrollen brillieren Omar Sy (ZIEMLICH BESTE FREUNDE) als Chocolat sowie Charlie Chaplin-Enkel James Thiérée

Regie
Roschdy Zem
Besetzung
Omar Sy, James Thierée, Noémie Lvovsky, Frédéric Pierrot, Clotilde Hesme, Olivier Gourmet
Länge
115 min

1897. In einem kleinen Zirkus in der Provinz arbeitet auch der ehemalige schwarze Sklave Raphael Padilla, der als grunzendes Urwaldwesen Katanga mit den Ängsten der einheimischen Bevölkerung vor dem Fremden spielt. Der weiße Clown Footit jedoch sieht in Raphael die Chance, seiner darbenden Karriere noch einmal Schwung zu verleihen: Er überzeugt den Zirkuschef davon, ihn zusammen mit Raphael auftreten zu lassen. Ein schwarz-weißes Clowns-Duo – das hatte es bis dahin noch nicht gegeben und erweckt auch bald die Aufmerksamkeit der Hauptstadt. In Paris entwickelt sich das Gespann Footit- Chocolat zum Publikumsmagnet, was besonders Chocolat genießt: Mit vollen Händen verprasst er seine Gage, kauft schöne Kleidung, bezirzt die Frauenwelt und kann nicht vom Glücksspiel lassen. Bei all dem Erfolg dauert es lange, bis Raphael merkt, dass er in erster Linie nur als Clown akzeptiert ist. Auch ohne die besondere Konstellation war das Duo für die Entwicklung der Clown-Nummer wichtig: Als eines der Ersten bedienten sie sich der Figur des dummen August, der immer wieder Opfer von Streichen wird. Was in diesem speziellen Fall natürlich offensichtliche Konnotation hatte, war es doch stets der weiße Footit, der dem schwarzen Chocolat in den Hintern trat. In dieser Konstellation akzeptierte das Publikum den Schwarzen, doch wehe er wollte mehr sein als nur der ulkige Prügelknabe. Dies ist der interessante Aspekt in Roschdy Zems MONSIEUR CHOCOLAT. Nach gut einem Drittel, wenn Raphael zum Star von Paris geworden ist und seinen Erfolg genießt, beginnt die stärkste Phase des Films: Mit dem haitianischen Intellektuellen Victor lernt Raphael einen Mann kennen, der ihm die wirkliche Position der Schwarzen in Frankreich aufzeigt. Durch ihn realisiert er, dass er sich im wahrsten Sinne des Wortes zum Clown macht und mit seinem Auftritt Vorurteile bestärkt. Dass er im Folgenden beim Versuch, als »ernsthafter« Künstler zu reüssieren, scheitert, ist die bittere Ironie. Gerade dieser Aspekt, der auch in der heutigen Zeit immer wieder zu beobachten ist, lässt MONSIEUR CHOCOLAT, auch wenn er Anfang des 20. Jahrhunderts spielt, in seinen besten Momenten zu einem Kommentar über die Gegenwart werden.
mm