Raum

CAN / IRL 2015

Ma ist eine Mutter wie viele andere: Sie zieht Jack liebevoll auf, spielt mit ihm, erzählt ihm Geschichten. Doch die beiden sind gefangen auf 9m². Ma hat in diesem Raum ein ganzes Universum erschaffen, damit Jack ein erfülltes Leben führen kann. Doch als sie Jacks Fragen nicht mehr beantworten kann und schließlich an die Grenzen ihrer eigenen Belastbarkeit stößt, beschließen sie eine riskante Flucht. Nach dem Roman von Emma Donoghue.

Nominiert für den OSCAR als Bester Film 2016.

Regie
Lenny Abrahamson
Besetzung
Brie Larson, Jacob Tremblay, Joan Allen, William H. Macy, Sean Bridgers, Tom McCamus
Länge
118 min

Es beginnt fast wie ein Märchen. Der kleine Jack feiert seinen fünften Geburtstag, zusammen mit seiner jungen Mutter Ma backt er einen Kuchen. Sie leben in einem Zimmer, in dem neben Bett und Schrank auch eine kleine Küchenzeile und eine Badewanne sind. Diesen Raum nennt Jack nur »Raum«, so wie er auch alle Gegenstände darin täglich mit Namen grüßt, »Guten Morgen, Lampe«, »Guten Morgen, Waschbecken«. Fast so, als wolle er das kaum 9 qm große Zimmer unbewusst zu einem Lebewesen machen. Fenster gibt es keine, »Raum« ist die ganze Welt, die Jack kennt. Alles im Fernsehen hält er nicht für real. Bald wird klar, dass Mutter und Sohn hier nicht freiwillig sind. Ma, die eigentlich Joy heißt, wurde als 17-Jährige von einem Psychopathen verschleppt und seitdem in einem Hüttenverschlag gefangen gehalten und regelmäßig sexuell missbraucht. Dabei ist auch Jack entstanden, den sie, soweit es geht, von ihrem Peiniger fernzuhalten versucht. Ein wenig erinnert Ma in ihrer Art, Jack vor dem realen Horror fernzuhalten, an Roberto Benignis Vaterfigur in das Leben ist Schön. Sie schafft eine Kunstwelt aus erzählten Geschichten und Bastelarbeiten und sorgt dafür, dass Jack nachts bereits im Schrank schläft, um von den Vergewaltigungen möglichst nichts mitzubekommen. Bis sie schließlich die Flucht plant, mit der ihr Albtraum aber noch längst nicht zu Ende ist ... Der Film beruht auf dem gleichnamigen Bestseller von Emma Donoghue, die auch das Drehbuch schrieb. Inspiriert von den beiden österreichischen Entführungsfällen von Natascha Kampusch und Elisabeth Fritzl, verlegte sie ihre Geschichte in die USA und schuf eine Mischung aus Märchen und Thriller, die ebenso düster wie ein optimistischer Blick auf die Kraft elterlicher Liebe und des Überlebenswillens ist. Das überträgt sich auf die Adaption von Lenny Abrahamson (Frank), dem eine berührende Gratwanderung zwischen Schrecken und kindlicher Freude gelingt. Brie Larson ist dabei großartig als hingebungsvolle junge Mutter, die versucht, ihren Sohn das Trauma ihrer Gefangenschaft nicht spüren zu lassen. Die eigentliche Sensation aber ist der junge Jacob Tremblay als Jack, der so überzeugend spielt, dass es einem das Herz bricht.
jg