Saint Amour - Drei gute Jahrgänge

FR 2015

Gigantentreffen im Taxi, zarte Bauernweisheiten auf der französischen Grünen Woche, vorletzte Wahrheiten zu Mann, Frau und Alkohol – am Ende führen alle Wege nach Saint Amour. In diesem Sinne: À votre santé!

Regie
Gustave Kervern und Benoît Delépine
Besetzung
Gérard Depardieu, Benoît Poelvoorde, Vincent Lacoste, Céline Sallette, Chiara Mastroianni, Michel Houellebecq
Länge
102 min

Für den Bauern Jean und seinen Sohn Bruno ist die Landwirtschaftsmesse in Paris der absolute Höhepunkt des Jahres, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Jean giert nach der höchsten Auszeichnung für seinen Zuchtbullen Nebukadnezar, Bruno begibt sich lieber mit Saufkumpan Thierry auf Weinreise durch Frankreich – natürlich ohne die Hallen zu verlassen und mit eher quantitativem als qualitativem Verkostungsanspruch. Die Hallenpartie endet wieder einmal im Vollrausch und gewährt Jean Einblicke in des Sohnes Seelenpein. Keine Frau, kein Selbstbewusstsein und Bauer will er auch nicht sein. Um Bruno wieder auf die Beine zu helfen und das Vater-Sohn-Verhältnis zu verbessern, beschließen die beiden, tatsächlich in eine der besten Weinanbauregionen des Landes aufzubrechen und reichlich zu probieren – sofort und mit dem Taxi. Fahrer ist der junge, extrem coole Womanizer Mike, der zwar keine Lust auf die Bauern-tölpel hat, aber die Kohle braucht und nebenbei ganz eigene Reisemotivationen mitbringt. Zielsicher steuert das Drei-Generationen-Taxi skurrile Begegnungen mit erstaunlichen Frauen wie der Venus, ausschweifende Vergnügungen, aber auch die tiefsten Furchen des Lebens an, die sich mit Wein allein noch nicht zum Blühen bringen lassen. Auf die Idee muss man erst einmal kommen, Gérard Depardieu und Benoît Poelvoorde, diese gewaltigen Schlachtrösser der Leinwand, mit dem Bürschchen Vincent Lacoste in das Taxi eines ulkigen Roadmovies zu zwängen. Doch den Regisseuren Benoît Delépine und Gustave Kervern gelingt es, die verschiedenen Temperamente harmonisch aufeinander abzustimmen. Möglicherweise liegt das an dem mitunter anekdotenhaften, nicht immer zusammenhängenden Erzählstil, der allen drei Protagonisten ausreichend Zündstoff für die eine oder andere Slapstick-Rakete lässt, und der nebenbei noch Platz für Überraschungsauftritte bietet, wie den Michel Houellebecqs als sonderlicher Herbergsvater. Möglicherweise liegt es aber auch einfach an diesen fabelhaften Schauspielern, die allein mit einem gewaltigen Seufzer oder einem nervösen Handstrich übers spärliche Haupthaar die vereinzelten Untiefen der Komödie überfliegen. In diesem Sinne: À votre santé!
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