Wiener Dog

USA 2016

Todd Solondz dreht einen Hundefilm über vier menschliche Schicksale. Klar wird: Ein Leben ohne Dackel ist sinnlos. Aber mit ist es irgendwie auch nicht viel besser.

Regie
Todd Solondz
Besetzung
Julie Delpy, Tracy Letts, Greta Gerwig, Kieran Culkin, Danny DeVito, Ellen Burstyn
Länge
90 min

Die Dackeldame WIENER DOG ist die vierbeinige Verbindungslinie zwischen den Episoden, in denen Regisseur Todd Solondz menschliche Tiefe und menschliche Abgründe gleichermaßen hell ausleuchtet. Sie beginnt ihr Hundeleben als Spielkameradin Remis, der mit einer Krebserkrankung und den verklemmten Tiefgründigkeiten seiner gutbürgerlichen Eltern zu kämpfen hat. Nach einer Müslivergiftung führt ihre zweite Station vom Gifttisch des Tierarztes in die Arme von dessen Assistentin Dawn Wiener, mit der Solondz die hornbebrillte Außenseiterin aus seinem Frühwerk WELCOME TO THE DOLLHOUSE wieder zum Leben erweckt. Dawn und Hündin schließen sich dem angeschlagenen Junkie Brandon an, der mit ihnen und bald auch einer depressiven Mariachi-Band durch den halben Staat reist, um schließlich bei seinem Bruder und dessen Frau anzukommen – beide von Trisomie 21 betroffen. Dawn lässt Wiener Dog bei dem Paar zurück und keiner weiß, wie das Tier nach minutenlanger Pausen-Wanderung beim erfolglosen Drehbuchautor und frustrierten Filmprofessor Schmerz einziehen konnte. Interessiert aber auch nicht, denn wichtiger ist die Rolle, die Schmerz seiner treuen Freundin im Skript seines ultimativen Ausstiegs aus der Bedeutungslosigkeit zugedacht hat. Das letzte Schicksal, das Wiener- Dog, Rufname ist nun Cancer, mit ihren empathischen Hundeaugen beobachtet, gehört der misslaunigen Erb-Oma Nana, die von Enkelin Zoe nur in Folge von Geldnöten aufgesucht wird. Auf einer Gartenbank versinkt Nana in »Was-wäre-wenn-Illusionen«, während Cancer endgültig ausbricht. Allein diese Szene wird zartbesaitete Zuschauer entrüstet aus dem Filmsaal treiben, und doch gelingt Todd Solondz einmal mehr herausragendes Independent-Kino. Mit scheinbarer Leichtigkeit lässt er seine skurrilen Helden über den Grenzstreifen zwischen Tragik und Lächerlichkeit schwanken, ohne einen von ihnen preiszugeben. Die große Kunst in diesen kleinen Episoden, die der Regisseur auch geschrieben hat, liegt darin, dass sie trotz aller Seltsamkeit nie künstlich wirken, dass uns launige Schauspieler, allen voran der große Danny DeVito, tief in ihre Geschichten zerren und dass uns das Lachen immer wieder ordentlich im Halse stecken bleibt.
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