Zu guter letzt

USA 2016

Kaum eine Filmminute mit Shirley MacLaine ist Zeitverschwendung. In der sehenswerten Generationenkomödie brilliert die Oscar-Preisträgerin als scheinbar kratzbürstige, erfolgreiche Geschäftsfrau Harriet Lauler im Ruhestand. Nicht umsonst bot die inzwischen 82jährige bodenständige Diva den Macho-Stars des alten Hollywoods die Stirn. Auf der Suche nach dem perfekten Nachruf begleitet die vielschichtige Schauspielerin Amanda Seyfried als junge Journalistin die autarke Hollywood-Ikone auf ihrem Roadtrip zum besseren Ich.

Regie
Mark Pellington
Besetzung
Shirley MacLaine Amanda Seyfried Annjewel Lee Dixon Anne Heche Philip Baker Hall
Länge
108 min

Dame ist schon das richtige Wort, jedenfalls für diesen Film, der eine herrlich amerikanische Geschichte über Wahrheitsfindung, Neuerfindung und Selbstentdeckung erzählt. (Das »herrlich amerikanisch« bezieht sich vor allem auch auf die brillanten Dialoge.) Harriet Lauder (Shirley MacLaine), früher ein Ass in der Werbebrache, ist schon lange pensioniert. Sie lebt allein in einer Villa, sie weiß alles besser, sie kann auch alles besser, was ihr viele Feinde eingebracht hat. Dass so eine kluge Frau nie lange verheiratet bleibt und auch der Tochter auf den Nerv geht, ist klar. Sie ist einsam. Täglich liest sie die Zeitung, stößt bei der Lektüre auf einen liebevollen Nachruf und denkt sich, ich möchte auch so etwas bekommen. Harriet ist keine Frau, die so etwas Wichtiges dem Zufall überlässt. Die junge Journalistin Anne wird mit dieser Aufgabe betraut. Sie recherchiert und findet niemanden, der ein gutes Haar an Harriet lässt. »Ich habe sie immer gehasst«, sagt der Pfarrer. Das ist aber nur eine Seite der Geschichte, die eben viele Facetten hat. Denn: Harriet beschließt, ihr Leben zu ändern, damit ZU GUTER LETZT eben doch noch ein Nachruf entstehen kann, der ihren Talenten gerecht wird. Auf diesem Weg wird die junge Anne sie zunächst widerwillig begleiten. Hinzu kommt Brenda, ein afroamerikanisches Mädchen, klein und frech, der Harriet, um Gutes zu tun, Nachhilfeunterricht gibt. Diese drei sind das perfekte Team, das sich aneinander abarbeitet, auf dem Weg zu einem anderen Leben. Klar wird, dass Harriet immer noch die Frau ist, die genau hinsieht und schnell merkt, was hinter einem Menschen steckt. So fördert sie nicht nur Brenda, sondern auch Anne, die eigentlich Schriftstellerin werden will. Harriet selbst wird DJ beim Radio. Die Hörer lieben ihre knallharte Art. Und die Versöhnung mit der Tochter gelingt – vielleicht. Denn die sagt: »Ich habe dich immer gehasst. Jetzt stelle ich fest, ich bin wie du.« Shirley MacLaine trägt diesen Film sehr souverän. Im April 2017 wird sie dreiundachtzig Jahre alt. Es ist ein Genuss, ihr zuzusehen. Hoffentlich braucht sie noch lange keinen Nachruf, aber vielleicht mal eine Retrospektive.
ges