7 Göttinnen

Indien/Deutschland 2015

Das Bollywoodmelodram erzählt in farbenprächtigen Bildern und mit viel Musik von sieben Frauen und von ihrem Kampf um Selbstbehauptung im heutigen Indien.Pan Nalin hat einen beeindruckenden Ensemblefilm geschaffen, der nicht nur durch tolle Schauspielerinnen, sondern auch durch kleine Überraschungen und Schockmomente authentisch und sympathisch wirkt. Seine für indische Verhältnisse ziemlich radikalen Ansichten verpackt Pan Nalin in publikumswirksame Bilder und kreiert damit so etwas wie ein neues Genre: das feministische Musicalmelodram über ein Land, in dem auch heute noch Frauen mit großer Selbstverständlichkeit als Objekte behandelt werden und ständig mit sexueller Gewalt rechnen müssen. Kein Wunder, dass die Göttinnen zornig werden. sic

Regie
Pan Nalin
Besetzung
Sarah-Jane Dias, Anushka Manchanda, Pavleen Gujral, Amrit Maghera, Sandhya Mridul, Rajshri Deshpande, Tannishtha Chatterjee
Länge
104 min

Freida lädt ein – sie ist eine angesagte Modefotografin, die bald heiraten will, und deshalb kommen ihre besten Freundinnen aus Schulzeiten zum Junggesellinnenabschied in das schöne Haus an der Küste Goas. Doch die anfängliche Partystimmung wird bald durch ein schreckliches Ereignis zerstört … Die vielarmige Göttin Kali, mit herausgestreckter Zunge und einer Halskette aus Totenschädeln, wird auch »die zornige Göttin« genannt und dient als Symbol für den Zustand der sieben Frauen: Angry Indian Goddesses, so der Originaltitel. Pan Nalin zeichnet ein Bild vom Leben in Indien, das so furchterregend und faszinierend ist wie Kali selbst. Sie ist im Hinduismus die Göttin der Zerstörung und des Todes, aber glücklicherweise auch der Erneuerung. Die sieben Freundinnen, jede von ihnen wird zu Beginn in einem kurzen Clip vorgestellt, stehen für eine Gesellschaft im Wandel, in der Frauen nicht mehr bereit sind, sich zu fügen. Ihr gemeinsames Aufbegehren ist verständlich, denn sogar privilegierte Frauen haben es nach wie vor schwer in Indien, privat und im Beruf. Viele wehren sich – so wie Freida und ihre Freundinnen, die sich schließlich zusammenrotten und auf ihre Weise Rache üben. Und sie erhalten immer öfter Hilfe und Unterstützung, auch von Männern. Pan Nalins Sympathien für diese Kämpferinnen wider Willen werden immer deutlicher. Seine Botschaft: Als Frau in Indien zu leben, ist ein schwieriger Balanceakt zwischen Tradition und Moderne, zwischen Geduld, Widerstand und Unterdrückung. Aber der Kampf bis hin zur Selbstjustiz könnte sich lohnen. Pan Nalin hat einen beeindruckenden Ensemblefilm geschaffen, der nicht nur durch tolle Schauspielerinnen, sondern auch durch kleine Überraschungen und Schockmomente authentisch und sympathisch wirkt. Seine für indische Verhältnisse ziemlich radikalen Ansichten verpackt Pan Nalin in publikumswirksame Bilder und kreiert damit so etwas wie ein neues Genre: das feministische Musicalmelodram über ein Land, in dem auch heute noch Frauen mit großer Selbstverständlichkeit als Objekte behandelt werden und ständig mit sexueller Gewalt rechnen müssen. Kein Wunder, dass die Göttinnen zornig werden.
sic!