Another Day of Life

PL/ESP/BE/D 2018

Der auf mehreren Festivals preisgekrönte Film über den Angolakrieg, fußend auf den Erlebnissen von Ryszard Kapuściński, ist ein bewegendes Stück Kino, das auf faszinierende Art und Weise ein Amalgam aus Dokumentation und Animation bietet.

Regie
Raúl de la Fuente, Damian Nenow
Länge
85 min
Programm
Yorck loading

Basis des Films bildet Ryszard Kapu´sci´nskis Buch »Wieder ein Tag Leben«, in dem er von seinen drei Monaten in Angola berichtet, als die Ausrufung der Unabhängigkeit kurz bevorstand. Er war mittendrin, als die angolanische Hauptstadt Luanda immer mehr verkam. Er erlebte mit, wie die MPLA, die Popular Movement for the Liberation of Angola moralisch immer mehr abbaute. Wie Südafrika sich in den Konflikt einschaltete und wie Angola in dem Kalten Krieg der Amerikaner und der Sowjets immer mehr aufgerieben wurde. Man hätte aus diesem Stoff auch einfach nur eine packende Dokumentation machen können, doch Raúl de la Fuente und Damian Nenow wollten mehr. Sie wussten um die Kraft, die Animation entwickeln kann, weil sie an einer Emotionalität rüttelt, die bei einer nüchternen Betrachtungsweise der Geschehnisse nicht so direkt und nicht so wuchtig möglich gewesen wäre. Man folgt Kapu´sci´nskis Geschichte, seiner Reise in den gefährlichen Süden, seiner Begegnung mit Kämpfern in diesem Konflikt und seinem Weg zurück nach Hause, als alles gut zu werden schien, aber es nicht wurde. Denn in Angola wurde nach der Unabhängigkeit noch 27 Jahre lang Bürgerkrieg geführt. Der Film lässt nie einen Zweifel aufkommen, wo Kapu´sci´nskis Sympathien liegen. Er steht ganz und gar auf Seiten der MPLA, verfälscht damit aber auch die Geschichte, die hier erzählt wird. In einem der eindringlichsten Momente, in dem die Farbe Rot plötzlich dominiert, findet der Journalist zusammen mit einem Kollegen, Artur, auf Dutzende Kilometer hinweg Zivilisten, die von der FNLA abgeschlachtet wurden. Dass in diesem blutigen Konflikt auch die MPLA vor Kriegsverbrechen nicht zurückschreckte, lässt der Film außen vor. Nur einmal deutet er Kapu´sci´nskis Desillusionierung an, als er erklärt, dass die MPLA den Krieg vielleicht, die moralische Überlegenheit aber ganz sicher verloren hat. Aber das ist ein zu kurzer Moment, der im Donner der Gewehrsalven und der exzellenten Soundeffekte untergeht. Das erste Opfer jedes Krieges ist die Wahrheit. Auch in Angola – und in diesem Film – verhält es sich nicht sehr viel anders, was die enorme Wirkkraft aber nur minimal schmälert.
pos