Ein Hologramm für den König

D/USA/GB/F 2015

Alan Clay, Alter 54, Opfer der Bankenkrise, hat eine letzte Chance. Er soll innovative Hologramm-Kommunikationstechnologie an den Mann, besser gesagt den König bringen: König Abdullah von Saudi-Arabien lässt in der arabischen Wüste eine strahlende Wirtschaftsmetropole errichten. Doch der König kommt nicht. Nicht am ersten Tag, nicht am zweiten – und auch nicht in den Tagen danach. In diesen Tagen der Unverbindlichkeit und des Wartens wird der junge Fahrer Yousef Alans Gefährte. Durch ihn erlebt er die Widersprüchlichkeiten eines Landes zwischen Aufbruch und Stillstand, zwischen Tradition und Moderne. Und er lernt die interessante Ärztin Zahra kennen. Anhand dieser Begegnungen und der neuen kulturellen Eindrücke entwickelt sich Alan Clay vom zielstrebigen und erfolgsgetriebenen Salesman zu einer Person, die sich selbst Perspektiven sucht und für sich einen neuen Platz im Leben findet. So gerät für Alan immer mehr zur Nebensache, ob der König nun kommt oder nicht.

Regie
Tom Tykwer
Besetzung
Tom Hanks, Tom Skerritt, Ben Whishaw, Sarita Choudhury
Länge
98 min

Der abgehalfterte Geschäftsmann Alan Clay, Opfer der Bankenkrise, kriegt noch einmal eine Chance – seine letzte: Der Mann ist schließlich 54! Er soll dem saudi-arabischen König eine brandneue Kommunikationstechnologie verkaufen, auch wenn er weiß, dass die chinesische Konkurrenz billiger und schneller ist. Ein hoffnungsloses Unterfangen, wie sich bald herausstellt, doch Clay glaubt an »The impossible Dream’« den amerikanischen Traum. Schon das riesige schwarze Zelt mitten in der Wüste, in dem sich das kleine Häuflein seiner technischen Mitarbeiter verliert, wirkt wie ein Zeichen. Nicht minder surreal das hochmoderne Geschäftsgebäude in Sichtweite, mit Klimaanlage, Empfang und verglasten Großraumbüros. Als Clay zum ersten Mal seinen Fuß in das Foyer setzt, ahnt er nicht, dass er ab jetzt noch viele Tage dort antanzen wird (und täglich grüßt das Murmeltier!), um immer wieder den einen Satz zu hören: Der König kommt morgen! Tom Hanks ist der große Psychologe unter den Starschauspielern und macht alle Regungen seiner Figur bis in die feinsten Verästelungen hinein spürbar: Wie Clay mit antrainierten Haltungen und Strategien seine Schwierigkeiten zu bewältigen versucht, wie er sich in Pragmatismus rettet, als das arabische Lebensgefühl seine Prinzipien und Wahrheiten zu zersetzen droht, wie er sich auf einer Party betrinkt und die sexuellen Avancen einer dänischen Botschaftsangestellten abwehrt, obwohl er so hundeeinsam ist, wie er Depressionen und diffuse Ängste niederringt, um zu funktionieren, während sich böse Träume, Lebens- und Todesangst in sein Leben einschleichen, das spielt Hanks so lakonisch und herzzerreißend genau, traurig und komisch zugleich. Wäre da nicht die arabische Ärztin, eine emanzipierte Frau, die er zunächst nur widerwillig konsultiert, weil er ein Gewächs auf seinem Rücken entdeckt hat. Ist es Zufall, dass er sich ausgerechnet dieser Fremden öffnen kann? Morgenland trifft auf Abendland, Kafka auf Tausendundeine Nacht und Godot auf Allah – kein Wunder, dass sich Tykwer sofort in den großartigen Roman von Dave Eggers verliebt hat. Auf Zelluloid, ganz analog, bannt er die Geschichte einer Rettung in der Wüste.
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