Eine unerhörte Frau

DE 2016

Das Leben könnte schön sein, der Hof ist gut in Schuss, das Ehepaar Hanni und Josef liebt sich, drei Kinder. Das jüngste, Magdalena, hört mit vier Jahren auf zu wachsen. Es hat Kopfschmerzen, Sehstörungen, es muss sich oft übergeben. Sie wird zwar eingeschult, aber sie ist ständig müde. Niemand glaubt dem Kind, nur die Mutter, die von ihren eigenen Dämonen gejagt wird. Sie wurde als Kind vergewaltigt und die eigene Mutter glaubte ihr nicht. Diese nie verheilte Wunde lässt Hanni keine Wahl. Sie glaubt dem Kind, auch wenn die Ärzte andeuten, es simuliere. Sie sieht, wie ihre Tochter langsam eingeht.

Regie
Hans Steinbichler
Besetzung
Rosalie Thomass, Romy Butz, Florian Karlheim
Länge
89 min

Das Leben könnte schön sein, der Hof ist gut in Schuss, das Ehepaar Hanni und Josef liebt sich, drei Kinder. Das jüngste, Magdalena, hört mit vier Jahren auf zu wachsen. Es hat Kopfschmerzen, Sehstörungen, es muss sich oft übergeben. Sie wird zwar eingeschult, aber sie ist ständig müde. Niemand glaubt dem Kind, nur die Mutter, die von ihren eigenen Dämonen gejagt wird. Sie wurde als Kind vergewaltigt und die eigene Mutter glaubte ihr nicht. Diese nie verheilte Wunde lässt Hanni keine Wahl. Sie glaubt dem Kind, auch wenn die Ärzte andeuten, es simuliere. Sie sieht, wie ihre Tochter langsam eingeht. Hans Steinbichler ist wieder ein vielschichtiger Film gelungen, kein Heimatfilm, obwohl auch die Bergwelt, die Gipfel, der hohe Himmel eine Rolle spielen. Ihm geht es um den Widerstand seiner Heldin gegen selbstherrliche Autoritäten (hier Ärzte, die Großmutter und die eigene Mutter), die sich lustig machen, weil die Bäuerin anfängt, medizinische Fachliteratur zu lesen. Auch ihr Mann und die beiden etwas älteren Söhne brauchen Zeit, um sich hinter die Kämpferin zu stellen, die schließlich mit Hilfe einer Ärztin herausfindet, was der Tochter fehlt und was sie retten könnte. »Auf geht’s, Magdalena«, sagt Hanni, die an Schutzengel glaubt und sich doch vor allem auf sich selbst verlässt, zur dahinsiechenden Tochter, »jetzt greifen wir an.« Es ist ein quälender Prozess, den Steinbichler mit kräftigen Bildern und einer großartigen Schauspielerin (Rosalie Thomass) zeigt, eine Art Entwicklungsroman, der in die Kindheit Hannis zurückführt und sie unbeirrt handeln lässt. Hannis Unbeirrbarkeit führt sie bis nach New York, in eine Klinik, spätestens hier bleibt einem fast das Herz stehen und die Anspannung hält an bis zum Schluss. Am Ende kämpft Hanni auch um Geld, nicht nur um das Leben der Tochter – es geht um die Existenz des Hofes. Sie tritt gegen einen mächtigen Gegner an, den Freistaat Bayern. Vorlage für den Film ist eine wahre Begebenheit, sowas funktioniert nicht immer im Kino. Hier: Ja. »Nicht gehört – fast zerstört« ist der Titel der Vorlage. Stur und gradlinig folgt Steinbichler diesem Drama, und wie er das macht, ist einfach schön. Kino.
ges