Grüner wird's nicht sagte der Gärtner und flog davon

D 2018

Wie ein alter, griesgrämiger Bayer in die Luft geht, seinen Horizont erweitert und zu sich selbst findet – davon erzählt das witzige Air-Roadmovie mit dem großartigen Elmar Wepper. Florian Gallenberger inszeniert sehr unterhaltsam mit Mut zu witzigen Klischees und Sinn für überraschende Gags. Sein Deutschlandbild zeigt schrullige Männer, die auf tatkräftige Frauen angewiesen sind oder zugrunde gehen. Eigentlich ein schöner Gedanke und eine gute Basis für eine gelungene Komödie.

Regie
Florian Gallenberger
Besetzung
Elmar Wepper, Emma Bading, Monika Baumgartner, Dagmar Manzel, Sunnyi Melles, Ulrich Tukur
Länge
118 min

Der letzte Bayer, der ähnlich spektakulär über den Wolken grantelte, war vermutlich der legendäre Alois im noch legendäreren »Ein Münchner im Himmel«. Elmar Wepper übertrifft ihn bei weitem. Er spielt den Gärtner Schorsch, der in einer unglücklichen Ehe lebt und kurz vor dem Bankrott steht. Als auch noch sein geliebtes rotes Doppeldeckerchen gepfändet werden soll, springt Schorsch kurzerhand ins Flugzeug und haut ab. Seine Reise führt ihn längs und quer durch Deutschland. Überall trifft er auf merkwürdige Gestalten, originelle Typen und vor allem auf Frauen, die – so unterschiedlich sie auch sind – alle dazu beitragen, dass Schorsch über sein Leben nachdenkt. Den Hauptanteil daran hat Philomena, ein junges Mädchen mit morbidem Geist und sehr kreativen Einfällen. Sie schmuggelt sich in Schorschs Flugzeug und lässt sich so schnell nicht wieder abschütteln. Als Schorsch am Ende in seine bayerische Heimat zurückkehrt, ist er ein anderer Mensch geworden. Das Genre »Air-Roadmovie« muss erst noch erfunden werden, aber tatsächlich hat die Story viele Gemeinsamkeiten mit einem Roadmovie, nur dass eben nicht auf der Straße gefahren, sondern durch die Luft geflogen wird. Die Idee ist originell und bietet schöne Gelegenheiten für Zwischenfälle jeder Art, inklusive eines Beinahe-Absturzes. Dasselbe Schicksal ereilt auch Schorsch. Elmar Wepper, der erst spät fürs Kino entdeckt wurde – Doris Dörrie sei Dank! – spielt den zu Beginn extrem misslaunigen Bavaren mit wunderbarer Präsenz und sehr sympathisch. Ohne viel über ihn zu wissen, versteht man diesen Mann, der auf die Trümmer seines Lebens blickt. Emma Bading spielt die Philomena, eigentlich eine traumatisierte Jugendliche, mit so viel Witz und Verstand, dass sie mühelos mit Elmar Wepper Schritt hält. Auch die übrigen Rollen sind gut besetzt. Florian Gallenberger inszeniert sehr unterhaltsam mit Mut zu witzigen Klischees und Sinn für überraschende Gags. Sein Deutschlandbild zeigt schrullige Männer, die auf tatkräftige Frauen angewiesen sind oder zugrunde gehen. Eigentlich ein schöner Gedanke und eine gute Basis für eine gelungene Komödie. Viel Spaß, wünscht
sic!