AUF DER SUCHE NACH OUM KULTHUM

D/A/I/Marokko 2017

Bilderreich und assoziativ zeigt Shirin Neshat, New Yorker Künstlerin mit iranischen Wurzeln, wie die Verfilmung des Lebens von Sängerlegende Oum Kulthum ihr eigenes Leben hinterfragt.Shirin Neshat hat schon mit ihrem Film WOMEN WITHOUT MEN ihr eigenes Genre geschaffen. Im Stil des magischen Realismus umkreist sie das Leben der „Callas der arabischen Welt“, als wär’s ein Stück von ihr. Auf die um 1900 geborene Oum konnten sich alle einigen: Das Volk, die Reichen und Mächtigen, Politiker, Intellektuelle und Künstler. Inszenierte Realität, Träume und dokumentarisches Material wechseln sich ab und beleuchten sich gegenseitig. Wie Fellinis 8 1/2 beschreibt Neshat alias Mitra eine tiefe Sinn- und Schaffenskrise, Traum, Realität, Vergangenheit und Gegenwart fließen ineinander. Am Ende trifft Mitra eine Entscheidung. Gegen alle Ratschläge. „Es liegt mir nicht mehr am Herzen“ sind ihre letzten Worte.

Regie
Shirin Neshat
Besetzung
Adil Kettani Neda Rahmanian Yasmin Raeis Mehdi Moinzadeh Kais Nashif
Länge
90 min
Programm

Eine schöne Frau im grünschillernden Kleid betritt ein altes Hotel, klingelt an der Rezeption, geht weiter durch dunkle Gänge und gelangt in ein lichtdurchflutetes Treppenhaus mit geschwungenen Aufgängen. Sie betritt einen Raum, in dem eine andere Frau wartet. Ein transparenter Vorhang weht geheimnisvoll im Wind und plötzlich tritt ein kleines Mädchen hervor. Zusammen bilden sie eine Art magisches Dreieck, man denkt an Cocteau, Märchen aus Tausendundeiner Nacht, an Fremdheit, Anonymität und Annäherung ... Wir befinden uns in einem Traum der erfolgreichen Regisseurin Mitra – offensichtlich ein Alter Ego Shirin Neshats. Mitra hat sich in der muslimischen Männerwelt durchgesetzt und kann endlich einen Film über ihr Idol, die ägyptische Sängerin Oum Kulthum drehen. Aber schon das Casting der Hauptrolle gestaltet sich schwierig. Wie besetzt man einen Mythos, der einmal ein Bauernmädchen war? „Du musst deine Wurzeln kappen, sonst wirst du nie eine große Künstlerin!“, sagen die einen. „Nein, im Gegenteil!“, schreit ein Darsteller auf, „Oum ist aus dem Volk, und sie gehört dem Volk!“ „Du musst werden wie die reichen Leute, die dich bezahlen und berühmt gemacht haben!“ Doch Oum lässt sich nicht vereinnahmen. Shirin Neshat hat schon mit ihrem Film women without men ihr eigenes Genre geschaffen. Im Stil des magischen Realismus umkreist sie das Leben der „Callas der arabischen Welt“, als wär’s ein Stück von ihr. Auf die um 1900 geborene Oum konnten sich alle einigen: Das Volk, die Reichen und Mächtigen, Politiker, das Intellektuelle und Künstler. Inszenierte Realität, Träume und dokumentarisches Material wechseln sich ab und beleuchten sich gegenseitig. Wir sehen das Dorfleben des kleinen Mädchens Oum, einen Aufstand muslimischer Frauen, die schon 1940 für Gleichberechtigung kämpften, und der blutig niedergeschlagen wurde, als sie ihren Gesichtsschleier abnahmen. Wie Fellinis 8 1/2 beschreibt Neshat alias Mitra eine tiefe Sinn- und Schaffenskrise, Traum, Realität, Vergangenheit und Gegenwart fließen ineinander. Am Ende trifft Mitra eine Entscheidung. Gegen alle Ratschläge. „Es liegt mir nicht mehr am Herzen“ sind ihre letzten Worte.
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