Carol

GB/USA 2015

Im New York der 1950er-Jahre führt Carol eine unerfüllte Ehe mit ihrem wohlhabenden Mann Harge. Sie lernt die junge Therese kennen, die in einem Kaufhaus arbeitet und von einem besseren Leben träumt. Sie wird Carols große Liebe. Harge will das neue Glück seiner Frau jedoch nicht akzeptieren. Carol muss schon bald um das Sorgerecht ihrer geliebten Tochter kämpfen. Die Verfilmung des Romans von Patricia Highsmith gilt schon jetzt als einer der Oscarfavoriten...

Regie
Todd Haynes
Besetzung
Cate Blanchett, Rooney Mara, Kyle Chandler
Länge
118 min

Es ist kurz vor Weihnachten 1952, als Carol Aird in die Spielzeugabteilung eines großen New Yorker Kaufhauses kommt, auf der Suche nach einem Geschenk für ihre kleine Tochter. Das junge Shopgirl Therese am Tresen ist sichtlich nervös, als die elegante Kundin auf sie zukommt und ein Gespräch beginnt. Als Frau eines wohlhabenden Bankers hat Carol im repressiven Amerika viel zu verlieren, als sie schließlich nicht nur ihre Adresse für die Lieferung hinterlässt, sondern auch ihre Handschuhe auf dem Tresen »vergisst«. Und doch ist es der Beginn einer Liebesgeschichte, wie sie schöner kaum im Kino zu sehen ist. Regisseur Todd Haynes, nicht erst seit -DEM HIMMEL SO FERN ein Meister des Melodrams, versteht es wie kein zweiter, komplexe weibliche Charaktere zu kreieren. Seine Inszenierung atmosphärischer, makellos ausgestatteter Innenräume mit Perspektiven durch Fenster und Türrahmen erinnert an klassische Hollywoodfilme jener Ära, ist aber vor allem in seinen Straßenaufnahmen noch weit mehr von der Fotokunst der Zeit geprägt, von Fotografinnen wie Vivian Maier und Ruth Orkin. Kameramann Ed Lachman hat auf Super-16-Millimeter gedreht und einen in jeder Einstellung wirklich atemberaubenden Look kreiert. CAROL beruht auf dem Roman Salz und sein Preis, den die spätere Krimibestsellerautorin Patricia Highsmith 1952 unter Pseudonym veröffentlichte. Sie erzählte darin, basierend auf einer ganz ähnlichen realen Begegnung, die sie selbst hatte, aber nicht weiterverfolgte, eine fiktive Liebesgeschichte, die damals zum Skandal wurde. Haynes hat daraus nun einen Film der Blicke gemacht, in denen mehr Begehren und Bedeutung steckt als im gesprochenen Wort. Die Liebe zwischen Carol und Therese ist nach Oscar Wilde eine, »die ihren Namen nicht zu nennen wagt«. Offen gelebte Homosexualität bedeutete damals noch das gesellschaftliche Aus und der Film nimmt seine historische Verortung ernst, erzählt aber zugleich die universell gültige Geschichte einer Beziehung, die an den Umständen zu scheitern droht. CAROL gilt schon jetzt als einer der Oscarfavoriten. Der Film ist weit mehr: ein Klassiker für die Ewigkeit.
jg