Green Book - Eine besondere Freundschaft

USA 2018

Ausgezeichnet mit dem Oscar als bester Film. Die stärksten Storys schreibt bekanntlich das Leben. So wie diese um einen latent rassistischen Einfaltspinsel, der in den 60er Jahren als Chauffeur für einen sehr gebildeten, schwarzen Musiker anheuert. Die Tour führt in den tiefsten Süden der USA - und die Abgründe der alltäglichen Diskriminierung. In zynischen Zeiten von Hass und Häme, werden humanistische, bewegende Filme zu publikumsträchtigen Leuchttürmen auf der Leinwand. Vergnüglichstes Arthaus-Kino in Bestform!

Regie
Pete Farrelly
Besetzung
Viggo Mortensen, Mahershala Ali, Linda Cardellini, Don Stark, P.J. Byrne
Länge
131 min

Eine wahre Geschichte: 1962 beschließt Don Shirley, der gefeierte Klaviervirtuose und Intellektuelle, seinen Elfenbeinturm im liberalen New York für eine Konzerttournee in die Südstaaten zu verlassen. Ärger voraussehend – denn Shirley ist schwarz und im Süden gilt noch offiziell die Rassentrennung – heuert er den italienischstämmigen Türsteher Tony ›Lip‹ als Fahrer und Leibwächter an. Angewiesen auf ein grünes Büchlein mit Adressen von Hotels und Restaurants, die Schwarze akzeptieren, begeben die beiden sich auf einen Roadtrip, in dessen Verlauf eine lebenslange Freundschaft zwischen den grundverschiedenen Männern entsteht. Es ist eine clevere Ironie des Films, dass es bei den Differenzen der Figuren eigentlich mehr um soziale Fragen geht, als um die Hautfarbe. Der kultivierte und wohlhabende Shirley ist ein akzeptierteres Mitglied der weißen High Society, als Tony es sich je erhoffen dürfte. Letztlich setzt er sich den Demütigungen und Gefahren aus, die eine solche Reise zu dieser Zeit unweigerlich mit sich bringt, weil er sich selbst fehl am Platz fühlt und immer wieder spüren muss, was es eigentlich bedeutet, als Schwarzer in den USA zu leben. Tony wiederum ist als Arbeiter viel näher am Leben des durchschnittlichen Afroamerikaners dran und kennt sich nebenbei auch besser mit schwarzer Musik aus als Shirley, der vorwiegend klassische – also weiße – Musik spielt. Die Figuren mit ihren Schwächen und die Art, wie sie voneinander lernen und aneinander wachsen, überzeugen. Mahershala Ali (moonlight) und Viggo Mortensen sind ein großartiges Gespann, beide hoch konzentriert und voller Spielfreude! Niemand, der sich an Regisseur Peter Farrellys frühere Werke erinnert, dürfte damit gerechnet haben, ihn als ernsthaften, sensiblen Erzähler wiederzuentdecken. Zwar entlockt er dem dramatischen Stoff das Maximum an komischem Potenzial, aber auf zurückhaltende Weise und mit überraschendem Timing. So werden viele Szenen erst viel später noch mit überraschenden Pointen veredelt. Ich sage nur: Tittsburgh, Tennessee! Am Ende wird’s ein wenig kitschig, aber das Recht darauf hat der Film sich redlich verdient und wir verzeihen es ihm gern!
rog