Im Schatten der Frauen

Frankreich 2015

Ein Mann zwischen zwei Frauen, und das auch noch in Schwarz-Weiß. Französischer kann ein Film kaum sein - und das ist kein Zufall. Ganz bewusst spielt Philippe Garrel mit den Stereotypen des französischen Kinos, entwirft bewusst eine zeitlose Welt, die zwar - man erkennt es an einigen Zeichen - im heutigen Paris spielt, sich aber kaum von der großen Phase der Nouvelle Vague unterscheidet. Die Konstellation lässt an unzählige Liebesdramen jener Ära denken und wird in den Händen Garrels doch zu mehr.

Regie
Philippe Garrel
Besetzung
Clotilde Courau, Stanislas Merhar, Lena Paugam, Vimala Pons, Antoinette Moya, Jean Pommier
Länge
73 min

Ein Mann zwischen zwei Frauen, und das auch noch in Schwarz-Weiß. Französischer kann ein Film kaum sein – und das ist kein Zufall. Ganz bewusst spielt Philippe Garrel mit den Stereotypen des französischen Kinos, entwirft bewusst eine zeitlose Welt, die zwar – man erkennt es an einigen Zeichen – im heutigen Paris spielt, sich aber kaum von der großen Phase der Nouvelle Vague unterscheidet. Die Konstellation lässt an unzählige Liebesdramen jener Ära denken und wird in den Händen Garrels doch zu mehr. Hauptfigur ist der Dokumentarfilmer Pierre, der mit Manon in einer scheinbar idealen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft lebt. Zumindest bis Pierre eine Affäre beginnt. Doch nun hat Pierre gleich zwei Beziehungen, nun fühlt er sich gleich doppelt eingeengt, ganz Mann, der nie zufrieden ist. Und erst recht nicht seiner Frau zugesteht, was er sich rausnimmt. Denn als Pierre erfährt, dass Manon ebenfalls eine Affäre hat, stellt er seine Frau zur Rede. Lebenslügen und Selbstbetrug werden hier verhandelt, gespiegelt durch das Sujet von -Pierres aktuellem Projekt, einem Film über einen Widerstandskämpfer aus dem Zweiten Weltkrieg, von dem sich herausstellt, dass er keineswegs so mutig war, wie er vorgibt. In einer prägnanten Szene hängen Pierre und Manon an den Lippen des Mannes, lauschen seinen (erfundenen) Heldengeschichten und ignorieren geflissentlich die Ehefrau, die ihnen liebevoll selbstgebackene Plätzchen anbietet. Wie so oft stehen die Frauen im Schatten der Männer, so wie auch Manon ganz für ihren Mann lebt. Der Titel IM SCHATTEN DER FRAUEN ist dementsprechend eine ironische Umkehr. Gerade diese Art des französischen Kinos hat die Frauen immer wieder als kaum mehr als ein Anhängsel der Männer gezeigt, sie vor allem als sinnliche, erotische Wesen inszeniert. Natürlich sind auch die Frauen bei Garrel attraktiv, aber sie sind hier nicht nur Objekte. Die besonders schönen Bilder, in wunderbarem, grobkörnigen Schwarz-Weiß und in Scope gedreht, objektivieren zwar wie eh und je, doch dem setzt er eine ausgiebige ironische Kommentarspur entgegen. Das erzeugt eine Distanz zu der stereotypen Dreiecksbeziehung und dekonstruiert sie. Ein typischer französischer Liebesfilm, der gleichzeitig seine eigenen Strukturen hinterfragt.
mm