The Lobster

IRL/GB/GR/F/NL 2015

Großer Preis der Jury, Cannes 2015.

Beißende Vision einer Zukunft, in der nur noch ein Leben als Paar erlaubt ist. Alleinstehende werden in eine Anstalt eingeliefert, in der sie 45 Tage Zeit haben, sich einen Partner zu suchen. Scheitern sie, verlieren sie alles. David gelingt die Flucht zu einer Partisanengruppe. Bei den "Loners" wiederum ist das Alleinsein Pflicht. Doch David verliebt sich in eine Frau.

"Schwärzer als THE LOBSTER kann ein Liebesfilm nicht sein." DIE ZEIT.

Regie
Yorgos Lanthimos
Besetzung
Colin Farrell, Rachel Weisz, Jessica Barden
Länge
114 min

Die Idee ist so brillant durchgeknallt wie auf den zweiten Blick zwingend: In der absurd-komischen Science-Fiction-Sozialsatire werden Alleinstehende in eine Art Hotelsanatorium gebracht und wenn sie nach 45 Tagen keinen passenden Partner gefunden haben, in Tiere verwandelt oder zum Abschuss freigegeben. Singles als asoziales Freiwild. Dieses Schicksal droht auch dem frisch von seiner Frau für einen anderen verlassenen und gerade eingelieferten David (Colin Farrell mit Schnauzer und Waschbärbauch). Wenn er es nicht schafft, will er ein Hummer werden. Er kommt mit seinem Bruder, der jetzt ein Hund ist, weil er es ganz offensichtlich nicht geschafft hat. In der Anlage herrscht ein strenges Paarungsregime und alleine die Rituale und Regeln, an die sich (fast) alle strikt halten, machen diese bitterböse und kluge Abrechnung mit dem Beziehungswahn unserer Zeit schon zu einem großen Vergnügen. Viel mehr sollte man auch gar nicht verraten über diese ebenso detailverliebte wie perverse Versuchsanordnung. Yorgos Lanthimos ist neben Athina Rachel Tsangari (ATTENBERG, CHEVALIER-) der Hauptvertreter des neuen griechischen Kinos, das zum derzeit aufregendsten in ganz Europa gehört. Griechenland leidet unter einer ökonomischen Krise, aber um das Filmschaffen muss man sich keine Sorgen machen, auch wenn Lanthimos inzwischen in London lebt und sein neuer Film eine irische Produktion ist und mit Farrell, Rachel Weisz und Ben Whishaw hochkarätig besetzt ist. Mit staubtrockenem, oft absurdem Humor und unbedingtem Stilwillen sezieren die Autorenfilmer der Neuen Griechischen- Welle menschliches Verhalten und werden dafür, wie Lanthimos mit seinem bitterbösen Kammerspiel DOGTOOTH über die Zwangsneurosen einer Familie, auf internationalen Festivals gefeiert. Seine jüngste Subversion wurde vergangenes Jahr in Cannes völlig zu Recht mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, in Deutschland sah es lange Zeit danach aus, dass er nur auf DVD erscheint. Doch nun kommt Lanthimos’- unbedingt sehenswerte, aberwitzige Parabel einer dystopischen Parallelwelt in unsere Kinos.
jg