Beale Street

USA 2018

Es gibt Filme, da weiß man sofort, dass man die richtige Wahl getroffen hat. Wie bei MOONLIGHT von Barry Jenkins. Der hat nun einen Roman von James Baldwin verfilmt und wieder gelingt es ihm, uns hineinzusaugen: Ins Harlem der 70er, wo die schwangere Tish für die Freiheit ihres fälschlich inhaftierten Freundes kämpft.

Regie
Barry Jenkins
Besetzung
KiKi Layne, Stephan James, Regina King, Teyonah Parris, Colman Domingo, Pedro Pascal
Länge
117 min
Programm
Yorck loading

Heute ist die als Home of the Blues ausgezeichnete Straße in Memphis, Tennessee eine Tourismusattraktion mit Vergnügungszentrum. Als James Baldwin 1974 seinen großen, alle paar Jahre wiederentdeckten Roman If Beale Street Could Talk veröffentlichte, stand dieser Ort nahezu symbolisch für ungleiche Lebenschancen, Rassismus und weiße Willkür. Brandaktuell ist die Geschichte derzeit nicht nur wegen der Fehlbesetzung des sehr Weißen Hauses in Washington und des dort bevorzugten Tons, dennoch könnte der Zeitpunkt für eine Verfilmung kaum passender gewählt sein. Ideal besetzt ist dabei die Position des Regisseurs. Mit dem für seinen tief bewegenden Film moonlight mit einem Oscar prämierten Barry Jenkins hat sich ein bildgewaltiger, ausgesprochen sensibler Erzähler des Romans angenommen, der seine Akteure nur selten dem berechtigten Zorn ausliefert, trotzdem nie ihre Unbeugsamkeit in Frage stellt. Die 19-jährige Tish und der 22-jährige Fonny kennen sich von klein auf, brauchen aber ein Weilchen, bis sie sich ineinander – dafür umso inniger – verlieben. Tish wird schwanger, doch kurz darauf sitzt Fonny bereits im Gefängnis, wird fälschlich der Vergewaltigung einer Puertorikanerin bezichtigt. Sein unzweideutiges Alibi gilt gegenüber der fragwürdigen Aussage eines rachsüchtigen weißen Polizisten nichts, das schlagseitige Justizsystem kennt nur eine Richtung. Die Nachricht von der Schwangerschaft schweißt die Familie im Kampf um Fonnys Freilassung zusammen, allein dessen Mutter und Schwestern scheren in religiöser Selbstverleugnung aus der Bahn. Trotz eines zunächst bemühten weißen Anwalts scheint der Fall aussichtslos, nur die durch Gefängnisglas weder ein- noch auszusperrende Liebe der beiden hält die Hoffnung am Leben. Obwohl die rassistisch motivierte, behördliche Willkür die Hürden zum Unerträglichen leichtfüßig überspringt, lässt Jenkins seine Protagonisten (fast) immer bei sich bleiben. Unrecht, Wut, Resignation, Zweifel – nie aber steht die Würde, nicht einmal die Selbstbeherrschung der Unterdrückten zur Disposition. Erneut ein preisverdächtiger Film mit hervorragenden Schauspielern und unter die Haut gehender Musik.
ll