Die Poesie der Liebe

Frankreich 2017

Mit seinem Regiedebüt „Die Poesie der Liebe“ porträtiert der französische Autor und Schauspieler Nicolas Bedos eine Liebesgeschichte, die 1971 beginnt und im Jahr 2003 endet.

Regie
Nicolas Bedos
Besetzung
Doria Tillier, Nicolas Bedos, Denis Podalydès, Antoine Gouy
Länge
120 min

Am Anfang steht das Ende: die Beerdigung von Victor Adelman, einem der bedeutendsten französischen Schriftsteller der Gegenwart. Familie und Freunde kommen zusammen und trauern, allen voran seine Frau Sarah. Vier Jahrzehnte Gemeinsamkeit hat das Paar gelebt. Wer wüsste mehr über den vielfach verehrten Verblichenen?! Journalist Antoine Grillot befragt die Witwe für ein geplantes Buch über den berühmten Mann. Und erfährt Erstaunliches. Denn Sarah hält mit nichts hinterm Berg. Dabei kommt heraus, dass dem prominenten Paar keineswegs ein Miteinander voll ewiger ungetrübter Glückseligkeit vergönnt war. Kleine und große Katastrophen haben den gemeinsamen Weg gesäumt, ausgelöst oft durch seine Seitensprünge oder ihre Kapriolen recht eigener Art. Und doch: Da war Liebe. Und sie war wie jede Liebe – mal lustig, mal schmerzhaft, eben voller Genuss, dann wieder nur störend, manchmal ein höllischer Albtraum, oft jedoch einfach nur himmlisch. Ganz leicht im Erzählton, geprägt von viel Heiterkeit, gelegentlich aber auch herzzerreißend tragisch, wird das prall gefüllte Tagebuch des Lebens, Sich-Liebens und auch mal -Hassens von Victor und Sarah aufgeblättert. Dabei wird insbesondere eine Schutzbehauptung vieler Menschen kritisch beleuchtet: »Jeder hat das Recht auf seine eigene Lebenslüge.« Der Film streut reichlich Zweifel, ob das wirklich wahr ist. Doria Tillier und Nicolas Bedos, den Autoren und Hauptdarstellern, ist eine sehr besondere Komödie mit Tiefgang gelungen. Fern von den Mustern üblicher Romanzen werden Schönheit und Schrecken der Liebe beleuchtet. Nicolas Bedos hat zudem stilsicher inszeniert und an der pointierten Musik zum Film mitgearbeitet. Kein Wunder, dass die kleine Ballade von der großen Schwierigkeit, das Glück zu halten, wie aus einem Guss anmutet. Als Kinobesucher bekommt man obendrein ein wunderbares Extra geschenkt: Die Frage, ob man selbst eigentlich in der Lage ist, nicht nur zu lieben, sondern auch und vor allem, sich lieben zu lassen. Da mausert sich DIE POESIE DER LIEBE zum so herzerfrischend klugen wie amüsanten Ratgeber zu den Dingen des Lebens.
pit