Gimme Danger

USA 2016

Jim Jarmusch widmet seinem Freund Iggy Pop und dessen Proto-Punkband The Stooges eine ebenso mitreißende wie erstaunlich ehrliche Hommage, die nun pünktlich zu Iggys 70. ins Kino kommt.

Regie
Jim Jarmusch
Besetzung
Iggy Pop, Mike Watt, Ewan McGregor
Länge
108 min
Programm

Sie sind die beste Rockband aller Zeiten, da ist sich Jarmusch sicher. Und bei einem Jahrhundertsong wie »I Wanna Be Your Dog« gibt es daran auch wenig zu rütteln. Kaum eine Band, vielleicht abgesehen von The Velvet Underground, dürfte die Rockmusik nachhaltiger geprägt haben als die Jungs aus Ann Arbor, Michigan. Der als James Osterberg Jr. geborene Iggy Pop ist als letztes lebendes Gründungsmitglied das Zentrum dieser eloquenten Auseinandersetzung mit einem Phänomen der Rockgeschichte, er zaubert in seinem unnachahmlich charmant-schnoddrigen Tonfall immer wieder neue, unglaubliche Anekdoten aus dem Ärmel und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Die Drogenprobleme der Mitglieder und die teils desaströsen Liveauftritte werden ebenso thematisiert wie Iggy Pops Solokarriere und Kollaboration mit David Bowie recht brüsk abgekanzelt werden. Ein bisschen hat dass was von Opa im Ohrensessel, der vom Krieg erzählt, nur das der »Godfather of Punk«, der am 21. April siebzig wird, eben barfuß vor der Kamera lümmelt und gut gelaunt über seine wilde Zeit mit MC5 und John Cale oder mit selbstironischem Grinsen vom ersten missglückten Stagedive plaudert, dem Sprung von der Bühne in die Menge, bei dem ihn niemand auffing und er auf den Boden krachend die Vorderzähne verlor.Doch auch die anderen Stooges kommen zu Wort, Gitarrist James Williamson etwa, der nach drei Jahrzehnten in der Technologiebranche zur Wiedervereinigung der Band 2002 auf die Rückbühne zurückkehrte. Musikexperte Jarmusch greift in die Vollen, verbindet neue Interviews mit Archivmaterial und Konzertmitschnitten zu einem unwiderstehlichen Mix. Interessant ist der Film auch als musikhistorische Studie, bei der Einflüsse von Blues und Jazz ebenso deutlich werden wie frühe Formen des Industrial Noise, ohne die spätere Bands wie Einstürzende Neubauten undenkbar wären. Ein Superlativ muss am Ende dann doch noch erlaubt sein: Jarmusch hat mit gimme ­danger eine der kurzweiligsten und mitreißendsten Musikdokumentarfilme geschaffen. Dazu muss man noch nicht mal eingefleischter Fan sein. Aber es hilft natürlich. Und danach will man eh alle Stooges-Platten noch mal hören. Ganz laut.
jg