Kleine Prinz, Der

FR 2015

Regisseur Mark Osborne findet einen aktuellen Zugang zu den zeitlosen Betrachtungen von Antoine de Saint-Exupéry oder wie sich ein Film vor einem Buch verbeugt!

Regie
Mark Osborne
Länge
108 min

70 Jahre nach seinem Erscheinen, zunächst dem Piloten Antoine de Saint-Exupéry persönlich in der Sahara, dann 1943 in Buchform, hat DER KLEINE PRINZ nichts von seinem Zauber eingebüßt. Noch heute gehört er zu den beliebtesten Kinderbüchern, zu den meistgelesenen Erzählungen überhaupt, dabei wusste man bei der Erstausgabe gar nicht, wen der Autor mit dieser märchenhaften Geschichte über Menschlichkeit, Freundschaft und die Kraft der Phantasie eigentlich erreichen könnte. Für Kinder schien es zu tiefsinnig, für Erwachsene zu kindlich – beide Befürchtungen haben sich schnell in Luft aufgelöst. Wie nähert man sich nun mit einer Neuverfilmung diesem vom Autor so liebevoll gezeichneten KLEINEN PRINZEN, der längst Adaptionen als Comic, Zeichentrickfilm, (Marionetten-) Theater, Ballett, Oper und diverser Hörspiele hinter sich hat? Vor allem mit viel Phantasie und einem Regisseur, der seine Expertise im Bereich Animationsfilm auf gänzlich anderem Inhaltsfeld (KUNG FU PANDA) unter Beweis gestellt hat. Mark Osborne nutzt zwei feine Einfälle: Er bettet die ursprüngliche Geschichte von Saint-Exupéry in eine moderne Rahmenhandlung ein, in der ein kleines Mädchen von Mutter und Gesellschaft unter enormem Leistungsdruck und mit Hilfe eines Lebensplans in die verzweckte Welt der Erwachsenen befördert werden soll. Doch die Rechnung ist ohne den kauzigen, alten Nachbarn gemacht, der seinerzeit als Pilot mal in der Sahara hatte notlanden müssen … Hier und da knarzt die Botschaft ein bisschen wie ein altes Flugzeug, hebt aber doch ab. Der zweite Streich Osbornes ist die sichtbare Unterscheidung der beiden Erzählstränge. Überaus charmante Stop-Motion-Bilder für das verehrte Original, anrührende und detailfreudige Computeranimationen für die Moderne. Man sieht hier – ausnahmsweise – nicht nur mit dem Herzen gut. Zudem konnten für die englische Version einige Größen Hollywoods als Sprecher gewonnen werden, allen voran Jeff Bridges, der als Pilot exakt den Ton trifft. Eine filmische Hommage an die Magie eines Buches, das nach der Kinovorstellung sofort aus dem Regal gekramt und mit echter Rührung durchgeblättert wird – von den Kleinen und den Großen.
ll