Suffragette

GB 2015

London, West End, März 1912. Maud Watts hastet nach einem langen Arbeitstag in der feuchtkalten Wäscherei durch die Straßen. Plötzlich zersplittert vor ihr die Schaufensterscheibe eines Modegeschäftes. „Wahlrecht für Frauen“, ertönt es neben ihr. Innerhalb von Sekunden entsteht ein Tumult. Polizisten verhaften umstehende Frauen, zerren sie in ihre Autos. Verwirrt steht sie am Straßenrand als plötzlich ihre Kollegin auftaucht.

Regie
Sarah Gavro
Besetzung
Carey Mulligan, Helena Bonham-Carter, Brendan Gleeson, Anne-Marie Duff, Ben Whishaw, Romola Garai, Meryl Streep
Länge
107 min

Fesselnd wie ein Thriller erzählt Regisseurin Sarah Gavron leidenschaftlich von den mutigen Pionierinnen der britischen Frauenbewegung und ihrem Kampf um das Frauenwahlrecht. London, West End, März 1912. Maud Watts hastet nach einem langen Arbeitstag in der feuchtkalten Wäscherei durch die Straßen. Plötzlich zersplittert vor ihr die Schaufensterscheibe eines Modegeschäftes. „Wahlrecht für Frauen“, ertönt es neben ihr. Innerhalb von Sekunden entsteht ein Tumult. Polizisten verhaften umstehende Frauen, zerren sie in ihre Autos. Verwirrt steht sie am Straßenrand als plötzlich ihre Kollegin auftaucht. Die macht aus ihrer politischen Einstellung kein Hehl. Wortreich versucht die Aktivistin Maud zu überzeugen, sich den Suffragetten anzuschließen. Nach anfänglichem Zögern lässt Maud sich überreden, zu einem geheimen Treffen zu kommen. Bald darauf findet sie sich im englischen Parlament wieder. Sie schildert bei einer Anhörung zum Frauenwahlrecht ihre Arbeitsbedingungen. Zum ersten Mal in ihrem Leben erlebt sie das Gefühl, wirklich gehört zu werden. Umso größer ist ihre Enttäuschung über das Ergebnis. Gespannt wartet sie Monate später zusammen mit hunderten von Frauen vor dem Unterhaus. Doch die Politiker haben sich nicht bewegt. Immer noch sind sie der Meinung: „Frauen fehlt das ruhige Naturell und die Charakterfestigkeit, sie können nicht am politischen Leben teilhaben“. Und erneut knüppelt die Polizei auf die Frauen ein. Maud wehrt sich und landet zum ersten Mal im Gefängnis. Ihr sonst sanfter Mann Sonny zeigt wenig Verständnis. Für Maud jedoch gibt es trotz aller Angst kein Zurück mehr. „Mein Leben lang war ich gehorsam, habe getan was Männer von mir wollten“, sagt sie. „Aber das kann ich jetzt nicht mehr“. Entschlossen macht sich die Arbeiterin gemeinsam mit den Suffragetten auf den Weg und ahnt noch nicht, welch hohen Preis sie und ihre Mitstreiterinnen dafür bezahlen sollten. Engagiert beleuchtet Regisseurin Sarah Gavron den mit zivilem Ungehorsam geführten Kampf der Suffragetten. Weder beschönigt sie, noch verfällt sie in nostalgisches überlebensgroßes Heldinnenpathos. Die fast dokumentarisch anmutenden Szenen wirken bis ins Detail authentisch. Aufrüttelnd vermitteln sie die schockierende Erinnerung an die Opfer, die Frauen bringen mussten. Das erstrebte Wahlrecht ist dabei nur ein Baustein einer patriarchalen Gesellschaft, die Frauen aller Schichten entmündigte.
LKO