Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit

usa/f/gb/ch/irl 2018

Der US-amerikanische Kunst-Star Julian Schnabel setzt seinem Malerkollegen Van Gogh mit einem brillanten Willem Dafoe in der Hauptrolle ein filmisches Denkmal.

Regie
Julian Schnabel
Besetzung
Willem Dafoe, Rupert Friend, Mads Mikkelsen, Matthieu Almaric, Emmanuelle Seigner
Länge
111 min
Programm
Yorck loading

Man muss sich Vincent van Gogh als leidenden Schmerzensmann vorstellen. Der niederländische Meister (1853–1890), dem der US-amerikanische Maler und Filmemacher Julian Schnabel (SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE) hier ein faszinierendes Porträt widmet, war zeit seines kurzen, in verarmten Verhältnissen geführten Lebens verkannt und litt unter psychischen Problemen. Auch Schnabel zeichnet ihn als Künstler zwischen Genie und Wahnsinn. Dabei interessieren ihn jedoch nicht so sehr die Klischees über van Gogh und die Tragödien seines Lebens, sondern sein kreatives Schaffen und sein Innenleben. Schnabel vermeidet es, wie bereits in seinem früheren Künstler-Biopic über den Popartist Jean-Michel Basquiat, sich den Konventionen des Genres zu beugen. In VAN GOGH folgt die unruhige Handkamera immer wieder ihrem Protagonisten und vermittelt dem Zuschauer den Eindruck, am Leben und Schaffensprozess van Goghs teilzunehmen, statt nur zu beobachten. Es geht ihm nicht um die letztgültige Filmbiografie des legendären Meistermalers, sondern um Momente und Impressionen, die umso mehr über seine Vision und seinen Geist sagen. Seinen Depressionen begegnet er mit einer obsessiven Liebe für die Natur, die sich nicht zuletzt in seinen Bildern ausdrückt. Er flieht aus Paris und lässt sich im beschaulichen Arles im Süden Frankreichs nieder. Sein enger Freund und Kollege Paul Gauguin erträgt schon bald seine Stimmungsschwankungen nicht mehr und sucht das Weite. Einzig sein Bruder Theo hält zu ihm, doch dem Kunsthändler gelingt nicht, auch nur eines seiner Bilder zu verkaufen. Vincent van Gogh ist schlicht seiner Zeit voraus. Blumen, Boote, Stühle, Schuhe und er selbst sind seine Motive. Doch im Grunde malt er immer nur eins: das Licht, das sich auf diesen Objekten abzeichnet. Und das bringt Schnabels Film zum Leuchten. Willem Dafoe wurde für seine Darstellung, die völlig zurecht als Höhepunkt seiner bisherigen Karriere gepriesen wurde, beim Filmfest Venedig als Bester Schauspieler ausgezeichnet. Schon alleine ihm knapp zwei Stunden dabei zuzusehen, van Gogh in all seiner Widersprüchlichkeit zu verkörpern, lohnt den Kinobesuch.
jg