Das kalte Herz

DE 2016

Ein Klassiker kehrt zurück: Als packende Abenteuergeschichte mit phantastischen Elementen inszeniert Regisseur Johannes Naber das Märchen von Wilhelm Hauff aus der Spätromantik neu. Eine düstere Fantasy-Saga aus alter Zeit mit einer modernen Botschaft

Regie
Johannes Naber
Besetzung
Frederick Lau, Henriette Confurius, Moritz Bleibtreu, Milan Peschel, David Schütter, André M. Hennicke, Sebastian Blomberg
Länge
119 min

Dichter Nebel zieht durch den dunklen Wald, aus der finsteren Köhlerhütte steigt schwarzer Rauch. Hohe Tannen, Farne, Moos an Bäumen und auf dem Waldboden bestimmen das Bild. Die düstere Mystik wirkt echt – und zugleich märchenhaft. Treffend fängt die Kamera die archaische Schwarzwald-Atmosphäre samt melancholischer Grundstimmung ein. Denn Wilhelm Hauffs Märchen über den Köhlerjungen, der seine Seele dem Geld opfert, ist durchaus herber Stoff. Der jung verstorbene Schwabe aus der Spätromantik erzählt plastisch von den negativen Auswirkungen des Frühkapitalismus. Sehr drastisch zeigt er, was die Produktionsverhältnisse und die Gier nach Geld aus Menschen machen können. Hauff prangert damit bereits die Auswüchse des Kapitalismus und den Verlust des Bezugs des Menschen zur Natur an. Mit subtiler Figurenzeichnung bleibt Johannes Nabers kritische Parabel zunächst bei der üblichen Chronologie. Gleichzeitig zeigt sie die strenge Hierarchie des Sozialgefüges. Immer weniger macht sich die harte Arbeit der Köhler bezahlt. Das große Geld scheffeln dagegen vornehmlich Holzhändler aber auch Glasbläser. Für den armen Köhlerjungen Peter Munk keine guten Aussichten. Zumal er sich unsterblich in Lisbeth, die Tochter des angesehenen Glasmachers Löbl verliebt. Aber die ist bereits dem reichen Holzhändlersohn Bastian versprochen. In seiner Verzweiflung lässt er sich als Sonntagskind vom Glasmännlein, einem weisen Naturgeist, drei wenig durchdachte Wünsche erfüllen. Sein Reichtum verfliegt jedoch schnell. Nun bleibt ihm nur noch der Weg zum grausamen Holländer-Michel. Mit ihm geht er einen teuflischen Pakt ein. Bald liegt sein Herz pumpend und blinkend wie eine Lavalampe in dessen Höhle. »Hier sind alle Ängste abgelegt«, sagt der dämonische Einflüsterer und zeigt auf die nackten Herzen, die er den Stützen der Gesellschaft entrissen hat. »Ihren Besitzern geht es jetzt gut.« Doch das reglose, steinerne Imitat in Peters Brust stürzt ihn schon bald ins Unglück. Eine düstere Fantasy-Saga aus alter Zeit mit einer modernen Botschaft: Die Macht des Geldes kann Gefühle zerstören und Menschen verändern.
lko