Werk ohne Autor

D 2018

Der Künstler Kurt Barnert (Tom Schilling) ist der DDR entkommen und lebt nun in der BRD. Hier will er sich endlich ohne Einschränkungen seinen Bildern widmen. Doch er ist ruhelos, denn obwohl er nun in Westdeutschland lebt, lassen ihn die Erinnerungen an seine Kindheit während der Nazi-Zeit und an seine Jugend unter dem SED-Regime nicht los. Erst als Kurt der Studentin Elisabeth (Paula Beer) begegnet und sich in sie verliebt, beginnt er die in seiner Vergangenheit verankerten Traumata für seine Kunst zu nutzen und Werke zu erschaffen, die sein eigenes Leben und das gesamte Schicksal seiner Generation künstlerisch einfangen könnten. Doch das Verhältnis mit Professor Seeband (Sebastian Koch), seinem angehenden Schwiegervater, ist angespannt und früher oder später kommt jedes Geheimnis ans Licht.

Regie
Florian Henckel von Donnersmarck
Besetzung
Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Ina Weisse
Länge
188 min
Programm
Yorck loading

Mit seinem dritten Langspielfilm ist Regisseur und Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck erneut tief in die deutsche Zeitgeschichte eingetaucht. Erzählt wird der – in­spiriert von wahren Ereignissen – Werdegang des Künstlers Kurt Barnert, dessen traumatisierenden Kindheitserlebnisse in der NS-Zeit ebenso prägend Eingang in seine Bildersprache fanden wie seine erfolgreiche künstlerische Unfreiheit in der DDR und die folgenden Einflüsse an der Düsseldorfer Kunstakademie unter dem bekannten Aktionskünstler und Hutträger Professor Antonio van Verten. Noch zu DDR-Zeiten verliebt sich Barnert in die Design-Studentin Ellie Seeband, deren rassehygienisch hochmotivierter Vater bis 1945 als Professor und Euthanasie-Arzt, aufeinanderfolgend in DDR und BRD dann nur noch als erfolgreicher Professor, wirkte. Was keiner weiß: Der baldige Schwiegervater hatte mit einem kleinen roten Kreuzchen die geliebte Tante Kurt Barnerts aufgrund ihrer psychischen Verfasstheit den Gasduschen des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms preisgegeben. Mit dem Streifzug durch die drei Epochen setzt der Regisseur den Rahmen für eine Tragödie, deren Ungeheuerlichkeit in der Kunst des Malers Ausdruck findet, noch bevor sie ausgesprochen werden kann. Von Donnersmarck lässt mit dem beständig suchenden, melancholischen Maler und dem dunkel-charismatischen, gewissenlosen Arzt zwei Gegenpole aufeinander los, deren Ungleichgewicht auch durch die große Liebe zwischen Kurt und Ellie nicht austariert wird – das schafft erst die kompromisslose Wahrheit der Kunst, die dem Arglistigen den Boden unter Füßen wegzieht. Wie schon in DAS LEBEN DER ANDEREN ist Sebastian Koch mit von der Partie und gibt den Professor mit gruseliger Intensität, dem sich Tom Schilling mit jugendlicher Schwermut entgegenstellt. Die Besetzung ist durchweg prominent, Paula Beer berührt als Ellie, Lars Eidinger oder Ben Becker glänzen in kleinen Gastrollen. Allzu zielorientierte Zuschauer mögen sich von dem einen oder anderen Nebenschauplatz befremdet fühlen, die Geschichte an sich aber ist eine raffinierte Möglichkeit und allemal eine Wahrheit, die hätte sein können.
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